Wirtschaft : Allianz tauscht die Führung der Dresdner Bank aus

Umfassende Neuausrichtung des Kreditinstituts geplant/Deutsche-Bank-Manager Walter wird Nachfolger von Bernd Fahrholz

-

Berlin/München (dr/nad/ro). Der bisherige Chef des Privatkundengeschäft der Deutschen Bank und frühere Vorstandssprecher der Deutsche Bank 24, Herbert Walter, wird Bernd Fahrholz als Chef der Dresdner Bank ablösen. Am Mittwoch bestätigte der Eigentümer Allianz nach einer Aufsichtsratssitzung das seit Tagen umlaufende Gerücht.

Die Allianzspitze versucht mit dem personellen Wechsel endlich die Bank auf Vordermann zu bringen, was auch bitter nötig erscheint. Symptomatisch ist, dass bei der Bilanzpressekonferenz am heutigen Donnerstag in Vergessenheit zu geraten droht, dass der Allianzkonzern ursprünglich ein Versicherungskonzern war. Seit der Übernahme von 96,4 Prozent der Aktien der Dresdner Bank durch die Allianz am 19. Juli 2001 und dem Start der Zusammenarbeit im August des selben Jahres ist es die Dresdner Bank, die immer wieder die Nachrichten dominiert.

Das damals ausgegebene Motto „Gemeinsam sind wir stark“ hat sich nicht wie gewünscht bewahrheitet. Inzwischen rudert auch der noch amtierende AllianzChef Henning Schulte-Noelle zurück. Zwar verteidigt er auch heute noch die Übernahme und sagt: „Es war kein strategischer Fehler, weil unser heutiger Bankenvertrieb von Versicherungsprodukten alles in den Schatten stellt, was wir bisher gesehen haben.“ Aber er gibt auch zu , die Allianz habe zum Beispiel zu spät auf Probleme im Großkundengeschäft der Bank reagiert. Außergewöhnlich hohe Risikokredite sowie falsche Weichenstellungen, wie die Übernahme der US-Investmentbank Kleinwort Wasserstein, haben der Dresdner Bank Verluste in Milliardenhöhe beschert und entsprechend tiefe Löcher in die Bilanz des Münchener Mutterkonzerns gerissen. Fahrholz hat gegengesteuert, aber offenbar nicht so erfolgreich wie gewünscht.

Fahrholz begründete seinen Abschied mit dem Hinweis, die Konzernmutter Allianz stehe „vor weit reichenden Entscheidungen über die künftige strategische Ausrichtung“. Dies seien Entscheidungen, „die gerade auch die Dresdner Bank angehen, letztlich aber im Interesse des Gesamtkonzerns zu treffen sind. Dem möchte ich nicht im Wege stehen.“

Ein Verkauf der verlustreichen Investmentbanking-Sparte der Dresdner steht nach Angaben aus Allianz-Kreisen nicht auf der Tagesordnung. Auch das Firmenkundengeschäft solle keineswegs abgebaut werden, heißt es. Doch in Branchenkreisen wird seit längerem genau darüber spekuliert.

Der neue Mann an der Spitze der Dresdner, Herbert Walter, gibt den Spekulationen neuen Nahrung. Seit 1998 stand er an der Spitze der Deutschen Bank 24, seit Herbst 1999 als Vorstandssprecher. Vor einem Jahr rückte Walter in den Konzernvorstand der Deutschen Bank und verantwortete dort bis zuletzt das weltweite Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Walter hat gezeigt, dass sich im Privatkundengeschäft Geld verdienen lässt. Allein 2002 konnte die Deutsche Bank in Deutschland rund eine halbe Million neue Privatkunden gewinnen, am Jahresende waren es 8,2 Millionen, in Europa 12,5 Millionen. Bei 300 Millionen Euro dürfte der operative Gewinn im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank im vergangenen Jahr gelegen haben. Bis 2004 sollte er eine Milliarde Euro erreichen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben