Wirtschaft : Allianz überrascht selbst die Optimisten

Gewinnsprung des größten deutschen Versicherungskonzerns freut die Börse – Lebensversicherung bleibt Verkaufsschlager

Nicole Huss

München - Die Allianz hat die Börsen am Mittwoch mit einem unerwartet kräftigen Gewinnsprung im zweiten Quartal überrascht. Der Versicherungskonzern verdankt das gute Ergebnis deutlichen Zuwächsen in seinen Sparten Lebensversicherung, Vermögensverwaltung und Schaden- und Unfallversicherung. Branchenexperten glauben, dass der Boom bei Lebensversicherungen auch nach dem Ende des Steuerprivilegs weiter anhalten wird. Der Bund der Versicherten warnte jedoch Kunden vor dem Abschluss von Kapital-Lebensversicherungen. An der Börse stieg die Allianz-Aktie um 3,48 Prozent auf 110,10 Euro und erreichte den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren.

Die Allianz hatte die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen vorgezogen, um die Märkte über die unerwartet gute Bilanz zu informieren. Ursprünglich sollten die Zahlen erst am Freitag präsentiert werden. Der Konzernumsatz legte um 6,6 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro zu. Der Nachsteuergewinn schoss im Vergleich zum Vorjahresquartal um 65 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro nach oben. Der Versicherer übertraf sogar die Schätzungen der optimistischsten Analysten. Händler bezeichneten die Zahlen als „exzellent“.

Die Allianz profitierte im zweiten Quartal 2005 zwar auch von rückläufigen Abschreibungen auf Kapitalanlagen und einer niedrigeren Steuerquote. In der Hauptsache hat zu dem guten Ergebnis aber das florierende Geschäft in den Kernsparten beigetragen. Die Segmente Lebensversicherung und Vermögensverwaltung verzeichnen weiterhin zweistellige Umsatzzuwächse. „Diese Segmente profitieren von der starken Nachfrage nach Altersvorsorge- und Vermögensanlage-Produkten“, teilte die Allianz mit.

In der Schaden- und Unfallversicherung, dem größten Geschäftsfeld, verbesserte sich die Schaden-Kosten-Quote von 92,1 auf 89,8 Prozent. Je niedriger die Quote, desto profitabler arbeitet ein Versicherer. Liegt sie unter 100 Prozent, übersteigen die Einnahmen die Kosten. Analysten erklärten die Verbesserung mit dem Rückgang von Unfällen und Katastrophen in Europa. Im Bankgeschäft, das die Tochter Dresdner Bank bestreitet, wurde eine Schwäche im Handelsergebnis durch Kostensenkungen und eine geringere Risikovorsorge ausgeglichen.

Den Zuwachs im Geschäft mit Allianz-Lebensversicherungen erklärte eine Sprecherin mit der Altersentwicklung und dem Umbau der Sicherungssysteme in den europäischen Ländern. „Beim Verbraucher ist mittlerweile angekommen, dass er sich zunehmend selber darum kümmern muss, wenn er im Alter gut versorgt sein will“, sagte sie. Analysten wiesen aber darauf hin, dass die jüngsten Zuwachsraten in der Lebensversicherung noch Nachläufer des Booms vom Ende des vergangenen Jahres sind. Wegen des Wegfalls der Steuerfreiheit von Kapitalerträgen ab Januar 2005 hatten Verbraucher bis Ende 2004 massenhaft Kapitallebensversicherungen abgeschlossen. Insgesamt hatte die Allianz Leben im Jahr 2004 39 Prozent mehr Neuverträge abgeschlossen.

„Die Allianz erntet jetzt die Früchte des Booms mit regelmäßigen Prämieneinnahmen“, sagte Analyst Lucio di Geronimo von der Hypo-Vereinsbank. Im ersten Halbjahr 2005 habe sich das Neugeschäft bei Lebensversicherungen in Deutschland dagegen abgeschwächt. Di Geronimo rechnet aber damit, dass der Bedarf allmählich wieder steigen und die Nachfrage ab 2006 wieder anziehen wird. Carsten Zielke von der WestLB wies darauf hin, dass das Lebensversicherungsgeschäft der Allianz in den USA, Italien und Frankreich weiterhin sehr gut läuft. Damit habe die Allianz den Rückgang in Deutschland wettmachen können.

Versicherungsexperte Manfred Poweleit vom Branchendienst „map-report“ glaubt, dass die Besteuerung die Nachfrage nach Lebensversicherungen nur kurzfristig drosseln wird. Sie blieben das attraktivste Element in der Altersvorsorge. Der Bund der Versicherten warnte dagegen vor dem Abschluss. „Die Policen sind sehr intransparent, und die Renditen sind wirklich mies“, sagte Geschäftsführerin Lilo Blunck dem Tagesspiegel. Blunck sagte, sie sehe den anhaltenden Boom bei Lebensversicherungen „mit Sorge“.

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