Wirtschaft : Allianz und Dresdner Bank rücken enger zusammen

Schulte-Nölle kündigt intensivere Kooperation an / Spekulationen über Fusion zum Allfinanz-Konzern ausgelöst

WASHINGTON (AP).Die Dresdner Bank und ihr Hauptaktionär Allianz erwägen eine engere Zusammenarbeit.Allianz-Chef Henning Schulte-Nölle sagte am Donnerstag in Washington, man sei über die Stärkung und Ausweitung der Kooperation im Gespräch.Seit Wochen wird spekuliert, ob Allianz die Dresdner Bank in die fusionierte Bayerische Vereins- und Hypothekenbank eingliedern oder sich selbst mit Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut zu einem Allfinanzkonzern zusammenschließen will. Schulte-Nölle betonte vor der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsvereinigung, Allianz sei Großaktionär bei der Dresdner Bank und habe mit ihr seit mehr als acht Jahren ein Kooperationsabkommen.Da sei es ganz normal, über eine Stärkung der Beziehungen zu sprechen.Europas größte Versicherung hält 22 Prozent an der Dresdner Bank, das Institut besitzt umgekehrt zehn Prozent Allianz-Aktien. Der Allianz-Konzern wolle in erster Linie sein Kerngeschäft stärken, sagte Schulte-Nölle.Allerdings würden die bisherigen Trennlinien zwischen Versicherungen und Banken immer unschärfer.Zum Kerngeschäft gehöre deshalb mittlerweile die Vermögensverwaltung für Dritte.Dieser Bereich sei ein "Schlüsselwachstumsmarkt der Zukunft", betonte der Allianz-Chef.Ende Juli hatten Dresdner Bank und Allianz vereinbart, über die bisherige Kooperation beim Vertrieb von Versicherungen hinaus auch stärker in den Bereichen Vermögensverwaltung, Bausparen und Immobilien zusammenzuarbeiten. Mit seinen Ausführungen schürte Schulte-Nölle die Erwartung, daß die Allianz bei der Neuordnung des deutschen Bank- und Versicherungsmarktes weiter aktiv die Fäden ziehen will.Nach Meinung des Konzernchefs gibt es in der Bundesrepublik zu viele Kreditinstitute.Schon das Zusammengehen der beiden Münchner Banken, an deren Fusionsprodukt die Allianz 15 bis 17 Prozent halten wird, wurde von dem Versicherungsriesen maßgeblich begleitet.Auch bei der Bildung der neuen Großversicherung Ergo war die Allianz indirekt beteiligt. Der Einfluß der Allianz bei der Dresdner Bank wird in Finanzkreisen schon heute als sehr hoch eingeschätzt.So soll der Versicherungsriese das Ausscheiden von Bankchef Jürgen Sarrazin aus dem Vorstand im kommenden Jahr betrieben haben und zudem beabsichtigen, einen Manager aus den eigenen Reihen an die Spitze des Dresdner-Bank-Aufsichtsrats zu stellen.Der Nachfolger des wegen des Vedachts auf Steuerhinterziehung zurückgetretenen Wolfgang Röller soll am Mittwoch bestimmt werden.

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