Wirtschaft : Allianz verdient so viel wie nie zuvor

Der Finanzkonzern macht einen Gewinn von sieben Milliarden Euro, will aber 7200 Stellen abbauen

Nicole Huss,Heike Jahberg

München/Berlin - Der größte deutsche Versicherungskonzern, die Allianz, hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie nie zuvor. Ungewöhnlich wenige Naturkatastrophen, ein profitableres Versicherungsgeschäft, Rückenwind von den Börsen und eine Steuererersparnis von einer halben Milliarde Euro haben dem Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn von sieben Milliarden Euro beschert. Im Vorjahr hatte die Allianz noch einen Überschuss von 4,38 Milliarden erwirtschaftet. Die Aktionäre sollen mit einer Erhöhung der Dividende von zwei Euro auf 3,80 Euro je Aktie belohnt werden.

Auch für die kommenden drei Jahre gab Allianz-Chef Michael Diekmann am Donnerstag in München ambitionierte Wachstumsziele aus. An der Börse wurde der Erfolgskurs des größten europäischen Versicherers am Donnerstag honoriert: Die Allianz-Aktie stieg um 4,1 Prozent auf 162,96 Euro und gehörte damit zu den stärksten Werten im Leitindex Dax.

„Was wir versprochen haben, haben wir geliefert, und wir werden dies auch in den kommenden Jahren tun“, sagte Diekmann. Der Umbau des Konzerns und die Konzentration auf Ergebniswachstum zahlten sich aus. Die Allianz hatte sich im vergangenen Jahr zu einer Europäischen Aktiengesellschaft umgewandelt, die italienische Tochter RAS in den Gesamtkonzern integriert und das gesamte deutsche Versicherungsgeschäft unter dem Dach einer Deutschland-Holding gebündelt. In diesem Jahr sollen noch die französische Tochter AGF und die Stuttgarter Allianz Leben vollständig in den Konzern integriert werden. Insgesamt hat die Allianz-Gruppe im Versicherungsbereich den Abbau von 5700 Arbeitsplätzen angekündigt. Mit der Umstrukturierung will der Konzern seine Effizienz steigern und Marktanteile in seinen europäischen Kernmärkten zurückgewinnen.

Für die Vorgehensweise beim geplanten Stellenabbau entschuldigte sich Diekmann. „Wir haben in diesem schwierigen Prozess nicht immer überzeugend agiert, und das bedauere ich“, sagte er. Dennoch sei die Neuordnung des Versicherungsgeschäfts der richtige Schritt, um das Unternehmen flexibler und wettbewerbsfähiger zu machen. Nach Angaben von Diekmann haben bisher mehr als 1555 Mitarbeiter Sozialplanangebote wie Abfindung und Altersteilzeit angenommen. Die Allianz hat sich verpflichtet, bis 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

„Es ist unmoralisch und unverantwortlich, bei hohen Gewinnen Stellen zu streichen“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong dem Tagesspiegel. „Wenn es den Unternehmen gut geht, darf es den Beschäftigten nicht schlecht gehen“, kritisierte der Gewerkschafter. Im Jahr 2009 soll über eine Verlängerung des Kündigungsschutzes verhandelt werden. Die guten Zahlen erleichtern den Betriebsräten die Verhandlungen, meint Foullong: „Wir erwarten, dass der Konzern den Kündigungsschutz verlängert.“

Zum guten Allianz-Ergebnis trugen alle Sparten bei, selbst die Banktochter Dresdner Bank. Die Dresdner Bank, lange Zeit Sorgenkind der Allianz, konnte ihr operatives Ergebnis um fast das Doppelte auf 1,36 Milliarden Euro steigern. Hohe Kosten für den Abbau von 2500 Arbeitsplätzen belasteten jedoch den Nettogewinn, der von einer Milliarde auf 895 Millionen Euro fiel. Die Allianz stellte klar, dass sich die Dresdner Bank nicht an dem Bieterwettbewerb um die Landesbank Berlin beteilige. „Die Dresdner Bank hat keine Interessensbekundung abgegeben“, sagte Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar