Wirtschaft : Allianz verteuert Kfz-Versicherung

MÜNCHEN / BRAUNSCHWEIG (tmh).Die Allianz AG, München, rechnet trotz einer Beitragsanhebung für neue Kfz-Haftpflichtverträge zum 1.April um fünf Prozent 1999 weiter mit Defiziten in der Sparte Autoversicherung.Da sich in der Schadensentwicklung eine Trendwende zum schlechteren abzeichne, seien dieses Jahr erneut rote Zahlen bei Kfz-Policen zu erwarten, sagte Allianz-Vorstand Friedrich Caspers bei einer Fachtagung in München.Mit der ersten Beitragserhöhung nach Rückgängen in den drei Jahren zuvor wolle der Branchenführer zudem ein "Zeichen der Vernunft" setzen.Altverträge sowie Teil- und Kaskoversicherung blieben davon unberührt.

Eskalierender Wettbewerb und zunehmende Rabattangebote hätten bundesweit in der Kfz-Versicherung 1998 schätzungweise drei Mrd.DM Verlust bei der Assekuranz hinterlassen, kritisierte Caspers ein nicht mehr kostendeckendes Beitragsniveau.Trotz dieser Branchenschelte bezeichnete er die eigenen Angebote als vernüftig kalkuliert.Immerhin habe die Allianz bei 17 Prozent Marktanteil in der Kfz-Versicherung im Vorjahr mit 45 Mill.DM Spartendefizit nur etwa zwei Prozent der Branchenverluste hinnehmen müssen.Insgesamt hätten bis Ende 1998 rund 400 000 Kfz-Versicherte mit der Allianz beitragssparende Tarifmerkmale vereinbart.Insgesamt haben die Münchener hierzulande knapp neun Millionen Autofahrer unter Vertrag.Für 1998 bedeutete das erstmals seit Jahren per saldo einen Zuwachs von 1,5 Prozent oder 134 000 Verträgen.Dennoch war das Beitragsvolumen auch wegen vieler Rabatt-Angebote um 3,6 Prozent rückläufig.Wer alle Rabatt-Möglichkeiten kombiniert, reduziert nach Allianz-Angaben den eigenen Standardtarif um fast 40 Prozent in der Kfz- Haftpflicht sowie gut 30 Prozent in der Voll- und Teilkaskoversicherung.Das jüngste und vom ADAC angegriffene Schutzbrief-Modell zum Billigtarif von 13 DM sei im übrigen erfolgreich.Fast eine Millionen Allianz-Kunden hätten sich dafür entschieden.Ab April 1999 wollen die Münchener zudem in der Vollkaskoversicherung wieder zurück zur Neupreisentschädigung in den ersten sechs Monaten nach Erstzulassung eines versicherten Autos.Das sei möglich, weil der Autoklau wegen elektronischer Wegfahrsperren deutlich zurückgehe.Bei Autoreparaturen will die Allianz dagegen ihre Kosten senken und am liebsten gebrauchte Originalersatzteile einbauen lassen.Den Kampf sagen die Münchener professionellen Betrugsbanden an, die teils auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern Unfälle provozieren, um Versicherungsgelder für die nicht ausgeführte Reparatur ihrer geflickten Altautos einstreichen zu können.

Am Dienstag erklärte der Volkswagen-Konzern, daß auch er jetzt ins Kfz-Versicherungsgeschäft einsteigt.Die VW-Tochter Financial Services AG (Braunschweig) übernimmt sämtliche Anteile der bislang unabhängigen Wolfsburger Volkswagen Versicherungsdienst GmbH (VVD).Durch den Kauf will die VW Financial Services ihren Kunden künftig ein Gesamtpaket von Finanzierung, Leasing und Versicherung aus einer Hand direkt beim Autohändler anbieten.Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.Die VVD gehörte bislang der Münchener Holler-Stiftung.Sie betreute unabhängig von VW in Deutschland 950 000 Verträge und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein Prämienvolumen von 843 Mill.DM.Sie arbeitet als Vermittler für verschiedene Autoversicherer, Hauptpartner ist die Allianz.Die Financial Services AG ist als Holding-Gesellschaft der VW Bank GmbH und VW Leasing GmbH für sämtliche Finanzdienstleistungen von VW in Europa und Asien verantwortlich.

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