Wirtschaft : Allianz will Prämien verteuern

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Die Münchner Allianz AG will nach ihrem Gewinnabsturz im vorigen Jahr ihre Schwachstellen bekämpfen und 2002 wieder weit gehend an frühere Stärken anknüpfen. Dieses Jahr will die Allianz wieder gut drei Milliarden Euro Gewinn einfahren, kündigte Konzernchef Henning Schulte-Noelle zur Bilanzvorlage in München an. Neben dem 11. September und schwachen Kapitalmärkten habe der Allfinanzkonzern vor allem auch die Eingliederung der kränkelnden Dresdner Bank sowie Schwächen im traditionellen Versicherungsgeschäft verkraften müssen, räumte das Management ein. Das schwierige Vorjahr, erklärte der Topmanager selbstbewusst, sei aber "abgehakt".

Negativ ausgewirkt auf das Ergebnis habe sich auch die Beteiligung der Allianz an dem nun insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier. Wegen 150 Millionen Euro Abschreibung auf Fairchild Dornier, an dem die Allianz ein Viertel hielt, musste der Jahresüberschuss für 2001 nochmals auf 1,6 Milliarden Euro nach unten korrigiert werden. Schon früher hatte die Allianz erklärt, dass Lasten aus den US-Anschlägen das Nachsteuerergebnis auf 1,7 Milliarden Euro halbieren würden und sie deswegen das ursprüngliche Ertragsziel um eine Milliarde Euro verfehlen würde.

Ihren Umsatz, der 2001 um fast ein Zehntel auf 75,1 Milliarden Euro zugelegt hatte, will der Konzern um über vier Prozent auf 78 Milliarden Euro steigern. Entscheidend wird für die Münchner jedoch, ob die "Baustelle Dresdner Bank" Fortschritte macht, sagte Schulte-Noelle. Die Übernahme der Bank hat das Ergebnis des Vorjahres mit einem Defizit von 213 Millionen Euro belastet. Vor Jahresfrist hatten die Allianz-Manager noch von einem positiven Beitrag der Banker gesprochen. Nun ist der Konzernchef zuversichtlich, die im Rahmen der Fusion für 2002 angepeilten Kosteneinsparungen von 290 Millionen Euro erreichen zu können. Bis 2006 sollen die Synergieeffekte auf jährlich über eine Milliarde Euro anwachsen.

Erste Verkaufszahlen aus dem gemeinsamen Vertrieb stimmen Schulte-Noelle optimistisch. So habe der neue Allfinanzkonzern im ersten Quartal 2002 mit über 24 000 Verträgen sieben Mal so viele Lebensversicherungen verkauft wie im Vorjahreszeitraum. Bei Sachpolicen seien die Abschlüsse auf 6500 Stück verzehnfacht worden. Und: 16 Prozent aller 430 000 bislang von der Allianz verkauften "Riester-Produkte" zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge seien über die Schalter der Dresdner Bank verkauft worden.

Dagegen stehen jedoch Verluste im reinen Bankgeschäft der Dresdner. Zudem ist das Defizit in der Sparte Vermögensverwaltung, das zu einem Großteil ebenfalls auf die neu konsolidierte Dresdner Bank zurückgeht, 2001 von minus 87 auf minus 348 Millionen Euro angewachsenen. Insbesondere die Dresdner-Fondsgesellschaft Dit zeigt derzeit Schwächen.

Auch intern läuft die Fusion nicht rund. Die Zustimmung der Bankbelegschaft zur Fusion mit dem Versicherer ist nach jüngsten Umfragen von anfangs gut 80 Prozent auf 65 Prozent geschrumpft. Personalabbau, Kostensenkung und die Schließung von Filialen drückten die Stimmung, sagte Schulte-Noelle. Dennoch sei er mit dem Stand der Integration "sehr zufrieden".

Mit der Dresdner habe man nur Verluste gekauft, heißt es dagegen hinter den Kulissen. Es sei aber noch zu früh, um zu beurteilen, ob das Allfinanzkonzept von Allianz und Dresdner gescheitert sei, kommentierte ein Bankanalyst. Die Allianz müsse aber auch im Versicherungsgeschäft wieder alte Ertragskraft erreichen. Bislang mache sich die massive Expansion der letzten Jahre jedenfalls nicht bezahlt. Derzeit fehle die Fantasie in der Allianz-Aktie, für die Analysten ein Kursziel von 296 Euro sehen. Nach der Bilanzvorlage legte das Allianz-Papier leicht auf gut 280 Euro zu.

Risiken und Unsicherheiten sieht auch Schulte-Noelle. So sei es sehr bedauerlich, dass Verbraucherschützer und manche Politiker den Bundesbürgern raten, mit dem Kauf sogenannter Riester-Produkte zu Vergleichszwecken noch zu warten, haderte der Topmanager. An ein völliges Scheitern der Riester-Rente glaubt er aber trotz des bislang schleppenden Verkaufs solcher Policen nicht. Dieses Jahr will die Allianz rund 1,3 Millionen Riester-Verträge verkaufen und sich damit an die Spitze des Markts setzen. Das Versicherungsgeschäft müsse wieder zur Ertragslokomotive der Allianz werden, sagte Schulte-Noelle, der 180 000 Mitarbeiter beschäftigt. Das erfordere auch steigende Prämien von der Industrie- bis zur Kfz-Versicherung. Die Aufgabe unprofitabler Geschäftsfelder sei ebenfalls möglich.

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