Alphabet : Google gründet neuen Mutterkonzern

Die Google-Gründer wirbeln das Unternehmen durcheinander: Google soll unter das Dach einer neuen Mutterfirma. Die Gründer wollen so die anderen Geschäftsfelder weiter ausbauen, denn Google ist längst mehr als eine Suchmaschine.

Der Google Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien.
Der Google Hauptsitz in Mountain View, Kalifornien.Foto: dpa

Google Inc. wird durch Alphabet Inc. ersetzt - mit dieser Mitteilung hat Google-Mitbegründer Larry Page am Montag die Unternehmenswelt überrascht. Der US-Internetriese erhalte eine neue Unternehmensstruktur, für die eine neue Dachgesellschaft namens Alphabet gegründet werde, teilte Page mit. Ihr würden der Google-Forschungsbereich X Lab, die Investment-Abteilung Google Ventures, der Gesundheits- und Wissenschaftsbereich sowie die Suchmaschine Google unterstellt. Den Chefposten der Dachgesellschaft übernimmt Page.

"Unser Unternehmen läuft heute gut, aber wir denken, dass wir es klarer und verantwortlicher machen können", begründete Page die Umstrukturierung auf der Unternehmenswebsite. "Ich freue mich wirklich darauf, Alphabet als Chef zu leiten", fügte er hinzu. Google-Mitbegründer Sergey Brin wird als Präsident der neuen Dachgesellschaft fungieren. Chef der Suchmaschine Google wird der derzeitige Vize-Präsident Sundar Pichai. Unter dem Dach von Alphabet können laut Page Geschäftsbereiche von Google, "die nicht wirklich zusammenhängen", besser unabhängig voneinander geführt werden. "Bei Alphabet geht es um Geschäfte, die durch starke Führer und Unabhängigkeit florieren", hieß es weiter.

Google ist in der Vergangenheit um eine Reihe von Tochterunternehmen gewachsen wie etwa das Medizinunternehmen Calico. Der Konzern verfolgt mittlerweile so unterschiedliche Projekte wie den Drohnen-Lieferdienst Wing, selbstfahrende Autos oder intelligente Kontaktlinsen für Diabetiker. Zugleich betreibt Google das Videoportal YouTube und ist Anbieter des Smartphone-Betriebssystems Android. Alle unterschiedlichen Unternehmensbereiche sollen nun eigene starke Chef bekommen, denen Page und Brin nach Bedarf zur Seite stehen wollen. Die Suchmaschine Google wird eine hundertprozentige Tochter von Alphabet, zu der unter anderem Android, YouTube, die Kartendienste und Google-Apps gehören werden. Wann genau die Umstrukturierung vollzogen wird, wurde nicht mitgeteilt. In der Ankündigung hieß es lediglich, dass bis Ende des Jahres alle Google-Aktien automatisch in Alphabet-Aktien umgewandelt würden.

Mit der Umstrukturierung reagiert der Konzern offenbar auf Befürchtungen, der Internetriese Google könne seinen Zenit überschritten haben. Nach einem Allzeithoch Anfang 2014 verlor die Google-Aktie deutlich an Wert. Nach der Ankündigung der Umstrukturierung legte die Google-Aktie am Montagabend nach Börsenschluss im elektronischen Handel um mehr als fünf Prozent zu. Der Branchenexperte Bob O'Donnell, Chef der Beratungsfirma TECHnalysis Research, sagte, die Umstrukturierung bedeute, dass künftig jeder Unternehmensbereich auf sich gestellt sei und Ergebnisse liefern müsse.

Übrigens gehört die Website unter der Adresse Alphabet.com einer Tochter des deutschen Autobauers BMW. Die Firma, die ebenfalls Alphabet heißt, ist auf Mobilitätslösungen für Unternehmen spezialisiert und bietet unter anderem Fuhrparkservices und Leasing an. BMW und Google sind in mancher Hinsicht Rivalen: Der Autobauer kaufte zusammen mit Audi und Daimler die Kartensparte von Nokia, die mit Google Maps konkurriert. Zudem testet der Internet-Konzern eigene selbstfahrende Elektroautos, die in Konkurrenz zu Fahrzeugen der traditionellen Autobranche stehen (AFP, dpa)

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