Wirtschaft : Als Adler gestartet – als Fledermaus gelandet

Wie der Bundesverband der Deutschen Industrie dem Bundesadler das Entfesseln beibringen wollte, am Ende aber scheiterte

Antje Sirleschtov

Berlin. Atemberaubend sollte er werden. Und von ganz und gar überzeugender Strahlkraft für Teilnehmer und Fernsehzuschauer: Der Flug entfesselter Adler quer durch das Haus der Deutschen Wirtschaft – direkt auf die Arme des BDI-Präsidenten Michael Rogowski, des EU-Parlamentschefs Pat Cox und der Unionsvorsitzenden Angela Merkel. Kraftvolle Bilder von drei Reformern mit (Bundes-)Adlern: So hatten sich die Kongressinitiatoren das vorgestellt.

Doch Fellen wollte mehr. Laut schreiend erhob sich die Seeadlerdame am Montagmittag Punkt 11.30 Uhr aus dem dritten Stock der BDI-Zentrale. Doch statt – wie ihr geheißen und am Vortag x-mal einstudiert, mit weiten Schwingen über die Köpfe der Anwesenden hinweg in Richtung Podium zu fliegen, entschied sich Fellen, den Weg zur völligen Freiheit zu suchen. Einmal und noch einmal umkreiste sie den Innenhof des Gebäudes an der Berliner Breiten Straße – und flog dann zielstrebig einem blauen Himmel entgegen. Den sie niemals erreichen sollte. Denn am Dach der Industrie war Schluss. Weiter kam Fellen nicht. Irritiert von den vielen freiheitsdurstigen Reformern im Saal verfing sich Fellen im Drahtgerüst des Innenhofes. Und tat, was alle Adler tun, wenn der Weg in die Freiheit auf unverhoffte Hindernisse stößt: Festkrallen und eine Denkpause einlegen. Dass sie dabei wie eine Riesenfledermaus kopfüber in den Saal hing, wurde von den Symbolbilder-Suchern am Boden missmutig vermerkt.

Aus dem Bild der drei Reformer Rogowski, Cox und Merkel mit entfesselten Adlern wurde so zwar nichts. Doch nahm es der BDI-Chef am Ende auch nicht allzu schwer, dass nur zwei der drei Tiere durchkamen. Angela Merkel habe sich der symbolträchtigen Geste ohnehin entziehen wollen, gestand er. Er vermute, Frau Merkel habe wohl doch ein bisschen Angst vor dem großen freiheitsdurstigen Bundesadler gehabt, sagte der BDI-Chef später.

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