Als die Krise ihren Anfang nahm : Ackermann weist Vorwürfe im Fall IKB zurück

Josef Ackermann ist als Zeuge geladen für das Düsseldorfer Gericht geladen, um einen Blick zurück auf die Tage zu werfen, als die weltweite Finanzkrise ihren Anfang nahm.

Nicole Bastian,Nils Rüdel
Als Zeuge geladen. Josef Ackermann spricht vom Anfang der Krise. Foto: dpa
Als Zeuge geladen. Josef Ackermann spricht vom Anfang der Krise.Foto: dpa

Düsseldorf – Fünf Minuten vor der Zeit geht Josef Ackermann zügigen Schritts an den Kameras vorbei durch das helle Foyer des Düsseldorfer Landgerichts zu Saal E 116. Entspannt wirkt der Chef der Deutschen Bank, schließlich ist er nur als Zeuge geladen. Heute geht es um einen Blick zurück in die Tage, als die weltweite Finanzkrise ihren Anfang nahm und die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB als eines ihrer ersten Opfer an den Rand der Pleite schlidderte – damals vor knapp drei Jahren.

Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer nickt Ackermann kurz zu, als sie vor ihm steht. Man kennt sich aus Zeiten, als Ackermann als Angeklagter im Mannesmann-Prozess vor ihr stand. Jetzt sitzt er – anders als viele vorherigen Zeugen – ohne Rechtsanwalt allein auf der Zeugenbank. 40 Minuten lang. Die Richterin kommt gleich zur Sache: Warum hat die Deutsche Bank der IKB damals, am 26. Juli, eine Kreditlinie von 76 Millionen Euro gekappt? Und hat die größte deutsche Bank damit den Beinahe-Zusammenbruch der kleinen Mittelstandsbank am 27. Juli erst ausgelöst, wie der Angeklagte im Prozess, Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen, behauptet?

Ackermann bestreitet ruhig und klar: „Nein.“ Die Deutsche Bank habe die Kreditlinie nur gekappt, weil die Schieflage der IKB schon eingetreten gewesen sei. „Das wäre gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen gewesen.“ Schon zehn Tage vor der Rettung des Instituts, am 17. Juli, seien die Risikoaufschläge merklich gestiegen – der Markt sei besorgt gewesen, die IKB könnte wegen ihrer milliardenschweren Zweckgesellschaft Rhineland Probleme bekommen. „Da brauchen Sie sich nur diese Kurve anzuschauen“, sagt der Bankchef und hält Verteidigung und Richtern ein DIN-A4-Blatt entgegen.

"Das wäre gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen gewesen."

Schließlich, so Zeuge Ackermann, hätte die IKB der Zweckgesellschaft mehr als sieben Milliarden Euro geben müssen, wenn diese sich nicht mehr am Markt hätte finanzieren können – weit mehr als ihr Eigenkapital. „Ein ungesundes Verhältnis.“ Die Deutsche Bank habe die IKB am 20. Juli – dem Tag der Pressemitteilung, mit der die IKB die Märkte beruhigen wollte und für die Ortseifen jetzt vor Gericht steht – um aktuellere Daten über die Wertpapiere der Zweckgesellschaft gebeten. Doch die IKB habe vertröstet, was den Anschein erweckt habe, dass „da etwas faul war“.

So habe die Deutsche Bank das Portfolio selbst geschätzt. Einige der verbrieften Wertpapiere kannte sie gut, hatte sie selbst der IKB verkauft, wie Ackermann bestätigt. In welchem Volumen? „Das kann ich nicht beantworten“, muss er enttäuschen. Und auch Rhineland war der Deutschen Bank wohlbekannt, denn sie hatte 500 Millionen Euro an Liquiditätslinien für den Notfall zugesagt. Alarmiert durch die eigene Schätzung der Wertpapiere kappte die Bank die IKB-Linie. Er persönlich, sagt Ackermann, habe dann den Chef der Finanzaufsicht, Jochen Sanio, angerufen. Der Rest ist Geschichte – ein Krisentreffen, eine Milliardenrettung, der noch manch andere folgen sollte.

Ob Ackermanns Aussage Ortseifen be- oder entlastet, ist nicht klar. Die Worte des mächtigsten deutschen Bankers in Saal E 116 offenbaren aber den Unterschied zwischen einer globalen Investment-Bank, die trotz Verbriefungsgeschäften gut durch die Finanzkrise kam, und einer kleinen Mittelstandsbank, die sich so übernahm, dass sie als Erste von allen fiel. Einblicke in eine Episode ganz zu Beginn der Finanzkrise – damals vor knapp drei Jahren.

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