Wirtschaft : Alt werden und trotzdem den Job behalten

Arbeitgeberpräsident Hundt will die Frühverrentung einschränken und die leistungsorientierte Bezahlung für Ältere fördern

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Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt will mehr ältere Arbeitnehmer beschäftigen. Angesichts des steigenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung müssten auch Arbeitnehmer über 55 Jahren künftig mehr arbeiten, weil die Sozialsysteme sonst nicht finanzierbar seien. „Wir können es uns nicht leisten, dass wir auf die Älteren als Arbeitnehmer und damit Beitragszahler verzichten“, sagte Hundt.

Er will daher Regelungen abschaffen, die „Ältere auf dem Arbeitsmarkt behindern.“ Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes sollte von 32 auf zwölf Monate verringert werden. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen es in Zukunft 18 Monate sein. Die gegenwärtige Bezugsdauer erleichtere Älteren die Frühverrentung und vermindere so den Eingliederungsdruck für Arbeitslose. Nachlassende Anstrengungen bei der Jobsuche seien aber fatal, weil die Vermittlungschancen mit der Dauer der Arbeitslosigkeit schnell abnähmen.

Hundt schlägt weiter vor, das Renteneintrittsalter ab dem Jahr 2011 von derzeit 65 auf 67 Jahre zu erhöhen, wie es auch die RürupKommission fordert. Dies müsse noch in dieser Legislaturperiode geschehen, weil es einen langen Übergangszeitraum geben müsse. Er räumte ein, dass es zunächst wichtiger sei, das tatsächliche Renteneintrittsalter auf 65 Jahre zu bringen. Zurzeit gebe es aber zu viele Anreize zur Frühverrentung. Dazu gehörten die Abschläge, die von der Rente abgezogen werden, wenn jemand vor dem 65. Lebensjahr auf Rente geht. Pro vorgezogenem Jahr sollte der Abzug sechs statt wie bisher 3,6 Prozent von der Rente betragen.

Für falsch hält er auch die Pläne der Bundesregierung, bei der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe noch zwei Jahre lang Zuschläge zu geben. Diese sollten stattdessen ganz wegfallen.

Hundt plädierte auch für die Abschaffung des besonderen Kündigungsschutzes für Ältere, weil er eine erhebliche Einstellungshürde sei und die Beschäftigungschancen Älterer verschlechtere. Auch die Löhne, die häufig steigen, je länger ein Arbeitnehmer in einem Betrieb arbeitet, hält Hundt für ein Einstellungshindernis. Sie sollten zugunsten mehr leistungsorientierter Entgelte zurückgeführt werden. Die Arbeitnehmer sollten sich außerdem auch im Alter weiterbilden. Die Arbeitgeber könnten durch freiwillige Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern für mehr Qualifizierung sorgen.

Vorwürfe, die Wirtschaft sei an älteren Arbeitnehmern nicht interessiert, wies Hundt zurück. „Es stimmt nicht, dass die deutsche Wirtschaft keine Älteren beschäftigt“, sagte der Arbeitgeberpräsident. Mehr als zwei Drittel aller Betriebe hätten Beschäftigte über 55 Jahren, kleine Betriebe mitgerechnet. Insgesamt beschäftigten die Arbeitgeber fast drei Millionen Arbeitnehmer, die älter sind als 55 Jahre. Mehr als 80 Prozent aller älteren Beschäftigten, die arbeiten wollten, hätten auch eine Beschäftigung, sagte Hundt. ueb

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