Wirtschaft : Alte Namen – neue Produkte

Olympia, Telefunken und Grundig haben nichts mehr mit den einstigen deutschen Firmen gemein

Frederic Spohr

Der US-Schriftsteller Paul Auster liebt seine alte Schreibmaschine so sehr, dass er ein Buch über sie verfasste. Die „Geschichte meiner Schreibmaschine“ ist eine Lobeshymne auf seine Olympia. Auster vertraut auf die Robustheit des 40 Jahre alten Museumsstücks. Der deutsche Hersteller – Olympia – war weniger robust. Seit den 70er Jahren ging es mit ihm bergab. Das letzte Werk bei Wilhelmshaven schloss Anfang der 90er Jahre. Der Markenname „Olympia“ existiert allerdings immer noch – und ist auch auf der Ifa vertreten.

Den Schreibmaschinenbauer ereilte das gleiche Schicksal wie viele andere große deutsche Elektrofirmen. Was von ihnen geblieben ist, ist der klangvolle Name, der immer noch für den Erfindergeist und Qualität der Vergangenheit steht. 1923 entwickelte Olympia die erste Tastenschreibmaschine der Welt – das Model 3. Heute ist von Olympia nur die kleine Olympia Business Systems Vertriebs GmbH mit Sitz in Hattingen an der Ruhr übrig geblieben. Sie verkauft Büromaschinen wie Aktenvernichter, aber auch Unterhaltungselektronik. Auf der Ifa zeigt Olympia ein Internet-Radio, mit dem man 10 000 verschiedene Sender in digitaler Qualität empfangen kann. Gerade einmal 50 Mitarbeiter arbeiten noch in Hattingen. „Wir machen hier das Design und legen die Leistungsmerkmale fest“, sagt Klaus Neudecker, Exportchef bei Olympia. Gebaut werden die Geräte dann von Herstellern in Fernost.

Auch Telefunken ist auf der Ifa vertreten – allerdings nur auf einem digitalen Bilderrahmen der französischen Firma Sopeg. Die Franzosen haben sich eine Lizenz bei der Telefunken Licences GmbH geholt. In den 60er Jahren baute Telefunken den ersten Farbfernseher der Welt und entwickelte komplizierte Wehrtechnik. Heute kassiert Telefunken Licences Geld, damit sich unbekannte Hersteller mit dem Namen brüsten können. „Den bekommt allerdings nicht jeder.Wir legen Qualitätsstandards fest“, sagt Marketingchef Hans Gustav Koch.

Groß auf der Ifa vertreten ist auch Grundig. Die Firma gehört dem türkischen Mischkonzern Koç. Fernseher, Lautsprecher, Hifi-Anlagen, MP3-Spieler und Internetradios sind mit Namen Grundig auf der Messe zu sehen. Gebaut werden die Geräte in der Türkei und in Asien. In Nürnberg, wo die Pionierfirma der Unterhaltungselektronik nach dem Krieg gegründet wurde, gibt es heute nur noch eine Marketing- und Vertriebsfirma mit dem Namen. Immerhin beschäftigt sie noch 400 Leute. Frederic Spohr

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