Altenbetreuung : McPflege stellt Betrieb ein

Der umstrittene Anbieter für Altenbetreuung zieht sich nach massiver Kritik zurück. Die Firma wollte Altenpfleger zu Tiefstpreisen vermitteln. Für zwei Euro pro Stunde sollten Pflegebedürftige betreut werden – möglich sein sollte das durch die Vermittlung von Personal aus osteuropäischen Ländern.

Yasmin El-Sharif

Berlin - McPflege, der umstrittene Bremer Billiganbieter für Altenbetreuung, hat sein Geschäft nach nur zehn Tagen aufgegeben. Auf der Internetseite des Unternehmens hieß es am Freitag: „Aufgrund der vielen negativen Reaktionen auf unsere Hilfe orientierte Idee ziehen wir nun die Konsequenz und ziehen uns aus dem Markt zurück.“

In der Erklärung, die am Nachmittag ins Netz gestellt wurde, heißt es, die Pflegesituation in Deutschland sei ein Problem, dessen sich McPflege ernsthaft habe annehmen wollen. „Wir sind nicht länger bereit, im Brennpunkt der Diskussion zu stehen. Dennoch hoffen wir, dass McPflege einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflege geleistet hat“, hieß es. Zunächst hatte am Freitag auf der Website nur gestanden: „Projekt beendet, gesellschaftspolitische Diskussion um die Pflegesituation in Deutschland angestoßen“.

McPflege war offiziell am 1. August mit Filialen in Bremen und in der Nähe von Cloppenburg gestartet. Der Dienstleister hatte mit einem neuen Betreuungskonzept eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit ausgelöst: Die Firma hatte angekündigt, Altenpfleger zu Tiefstpreisen zu vermitteln. Für zwei Euro pro Stunde sollten Pflegebedürftige rund um die Uhr zu Hause betreut werden – möglich sein sollte das durch die Vermittlung von Personal aus osteuropäischen Ländern.

Das Konzept war auf heftigen Widerstand bei Gewerkschaften und Pflegeverbänden gestoßen. Sie kritisierten die Preisgestaltung und sprachen von „moderner Sklaverei“ und Ausbeutung.

Für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi könnte es für die plötzliche Geschäftsaufgabe auch noch eine andere Erklärung geben als die vorgegebene. „Es könnte sein, dass das alles nur eine groß angelegte Marketing-Aktion war, mit der die Initiatoren auf eine gesellschaftliche Problematik aufmerksam machen wollten“, sagte Gabriele Feld-Fritz, bei Verdi für den Bereich Pflege zuständig. Mit einer vergleichbaren Initiative hatte das niederländische Fernsehen kürzlich auf die prekäre Organspende-Situation im Land aufmerksam gemacht. Eine vorgeblich todkranke potenzielle Spenderin sollte aus drei Bewerbern den Gewinner ihrer Niere auswählen.

Für eine solche Erklärung spricht, dass McPflege-Gründer Meiners an der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Vechta das Fach Marketing lehrt. Meiners, der am Freitag zunächst nicht erreichbar war, meldete sich am frühen Abend schließlich doch noch zu Wort. „Wir haben versucht in den Markt einzutreten. Das ist uns aber nicht gelungen“, sagte er dieser Zeitung. „Das Ganze war aber wirklich ernst gemeint.“ Yasmin El-Sharif

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