Alternative Energien : Lufthansa fliegt mit Biosprit

Als weltweit erste Fluggesellschaft will die Deutsche Lufthansa den Einsatz von umweltfreundlichen Biokraftstoffen bei einem Langzeitversuch im regulären Liniendienst erproben.

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Deutscher Pendler. Zwischen Frankfurt und Hamburg soll künftig viermal täglich eine Lufthansa-Maschine mit Biosprit fliegen. Foto: dpa
Deutscher Pendler. Zwischen Frankfurt und Hamburg soll künftig viermal täglich eine Lufthansa-Maschine mit Biosprit fliegen. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Bisher hatte es nur einzelne Testflüge verschiedener Airlines gegeben. Sie zeigten bereits, dass der Betrieb problemlos ohne Änderungen an den Triebwerken möglich ist.

„Heute wird Luftfahrtgeschichte geschrieben“, sagte der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze, am Montag bei der Vorstellung des Projektes. Der Luftverkehr trage zwar nur mit zwei Prozent zu den CO2-Emissionen bei, doch sei Nachhaltigkeit „ein Megathema“. Der internationale Luftverkehrsverband IATA, der 230 Airlines und 93 Prozent des internationalen Flugverkehrs repräsentiert, hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, ab 2020 CO2-neutral zu wachsen und trotz rasanter Zuwachsraten die Emissionen bis 2050 auf die Hälfte des Wertes von 2005 zu reduzieren. Auf dem Weg dahin spielen die Biokraftstoffe eine entscheidende Rolle.

„Tägliche Flüge mit Biokerosin sind ein bedeutender Schritt auf unserem Weg in eine nachhaltige Zukunft des Luftverkehrs“, sagte Airbus-Präsident Tom Enders. „Airbus bringt hierzu Rohstofflieferanten, Erdölraffinerien und Fluggesellschaften zusammen. Mit der Ankündigung von Linienflügen kommen wir der Realität eines nachhaltigen Luftverkehrs einen weiteren Schritt näher.“

Ab April soll ein zweistrahliger Airbus A321 auf der Strecke zwischen Hamburg und Frankfurt den Versuchsbetrieb aufnehmen. Die Maschine ist mit zwei V2500-Triebwerken ausgestattet, die von dem internationalen IAE-Konsortium gebaut werden, zu dem auch die deutsche Firma MTU gehört. In einem der beiden Aggregate wird dem herkömmlichen Kerosin ein 50-prozentiger Anteil von biosynthetischem Kraftstoff beigemischt. Betankt wird der Airbus auf dem Hamburger Flughafen und soll dann viermal täglich nach Frankfurt und zurück fliegen. Dabei werden erstmals die Vergleichswerte an beiden Triebwerken im Langzeitversuch ermittelt, so Professor Manfred Aigner, Direktor des Instituts für Verbrennungstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er erwartet eine besonders deutliche Reduzierung des Ausstoßes von Rußpartikeln. Bereits während der sechsmonatigen Erprobungsphase wird mit einer Einsparung von rund 1500 Tonnen CO2 gerechnet.

„BurnFAIR“ nennt die Lufthansa das Projekt innerhalb des Forschungsprogramms Future Aircraft Research, das mit fünf Millionen Euro aus dem Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung gefördert wird. Die Hälfte der Mittel fließt dabei in den Langzeitversuch, weitere 4,1 Millionen investiert die Lufthansa. Alleine eine Million Euro an Kosten entstehen durch die Bindung des Flugzeuges an eine feste Strecke.

Hauptproblem war die Beschaffung ausreichender Mengen des bisher noch raren Biokerosins. Rund 800 Tonnen werden allein für die etwa 1400 geplanten Linienflüge benötigt. Der Sprit wird aus Pflanzen gewonnen, die nicht zur menschlichen Nahrungskette gehören. So hat Lufthansa den finnischen Lieferanten Neste Oil dazu gedrängt, das bisher zur Herstellung genutzte Palmöl durch Öl zu ersetzen, das aus den zur Ernährung nicht geeigneten Nüssen der tropischen Jatropha-Pflanze gewonnen wird.

Weil die weltweite Produktion von Biokerosin erst langsam in Schwung kommt, ist der Ökosprit noch drei- bis viermal so teuer wie herkömmliches Kerosin. „Der Kauf von CO2-Zertifikaten wäre derzeit noch die günstigere Alternative“, so Lufthansa-Projektleiter Joachim Buse. Weil die Produktion erst langsam in Schwung kommt, werde man frühestens in zehn Jahren die komplette Flotte von gut 300 Flugzeugen mit Biokraftstoff betanken können. Besser könnte es in 15 bis 20 Jahren werden, wenn die Produktion von Biokraftstoffen der dritten Generation hochgelaufen ist. Sie werden zum Beispiel aus Algen gewonnen, damit entfiele dann auch der hohe Landbedarf für den Anbau.

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