Alternativer Nobelpreisträger : Huang Ming - Chinas Sonnenkönig

Der chinesische Solar-Unternehmer Huang Ming bekommt den Alternativen Nobelpreis. Doch damit nicht genug: Der 53-Jährige ist inzwischen auch politisch engagiert.

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Gefeierter Unternehmer. Huang Ming wurde im Januar in Peking schon mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Nun folgt der Nobelpreis – der alternative.  Foto: dpa
Gefeierter Unternehmer. Huang Ming wurde im Januar in Peking schon mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Nun folgt der...Foto: dpa

Verheimlicht hat Huang Ming nie, dass er ursprünglich in der Ölindustrie gearbeitet hat. Gerne erzählt er Journalisten davon, dass er sich als junger Mann keinerlei Gedanken darüber gemacht habe, dass Öl ein endlicher, ein schmutziger Rohstoff ist. Wie ihn dann aber die Umweltverschmutzung in seinem Heimatort aufgerüttelt und die Geburt seiner Tochter zum Umdenken bewegt habe. Schuldig gegenüber seiner Tochter habe er sich gefühlt, die mit den Folgen der Umweltzerstörung leben muss, die seine Generation verursacht. Zufällig sei er auf ein Buch über Solarenergie gestoßen, das ihn in den Bann gezogen und sein Leben verändert habe. Heimlich, neben der Arbeit, forscht er dann zum Thema erneuerbare Energien. Der heute 53-jährige Huang Ming kündigte seinen gutbezahlten Job als Ingenieur und gründet 1995 seine eigene Firma, die Himin-Gruppe.

„Solarwasserbereiter für die ganze Welt, damit auch die nächsten Generationen noch in den blauen Himmel schauen können.“ Gerne verbreitet Huang Ming diesen Slogan. Wirtschaftlicher Erfolg und Umweltschutz müssen sich nicht ausschließen, ist die Botschaft, die er nicht nur in China verbreitet. Dafür wird er nun mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, wie das Komitee am Donnerstag in Stockholm bekannt gab. Das Komitee verlieh dem 53-Jährigen den Ehrenpreis. Auch die Menschenrechtsaktivistin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad, die Bauernhilfsorganisation Grain und die Hebamme Ina May Gaskin aus den USA wurden ausgezeichnet. Sie teilen sich das Preisgeld in Höhe von 150 000 Euro.

In der Volksrepublik, in der noch 70 Prozent der Energie aus Kohlekraftwerken stammen, ist Huang Ming zum Vorkämpfer für eine grüne Zukunft geworden – und zum erfolgreichen Solarunternehmer. In nicht einmal zehn Jahren entwickelt sich sein Geschäft zu einem Unternehmen mit 9000 Beschäftigten. Seine Firma ist vor allem mit Warmwasseraufbereitern erfolgreich, die nun Millionen Haushalte in China auf umweltfreundliche Weise versorgen. Dunkle Glasröhren auf dem Dach sammeln Sonnenenergie, erwärmen so das Wasser in den Tanks. Die Technik ist einfach und billig, wird so zum Verkaufsschlager. Mit einer Million produzierter Anlagen im Jahr ist die Himin-Gruppe nach Firmenangaben weltweiter Marktführer. Dazu verkauft Huangs Unternehmen jährlich 300 Millionen Quadratmeter Sonnenkollektoren – etwa so viel wie die gesamte EU produziert.

Der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmers hat auch sichtbare Folgen für die Umwelt. In der Fünf-Millionen-Einwohnerstadt Dezhou, Firmensitz von Huang Mings Unternehmen, lässt sich das wohl am besten beobachten. Fast alle Hausdächer in der nordostchinesischen Stadt sind mit seinen Anlagen für Warmwasseraufbereitung ausgerüstet. 6000 solarbetriebene Straßenlaternen sorgen für Licht. So gilt die Luft in Dezhou als etwas sauberer, der Himmel als etwas klarer als in anderen Städten des Landes. Vor allem dank Huang Ming gilt Dezhou mittlerweile als Modellstadt für erneuerbare Energien in China. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass um Dezhou ein chinesisches „Solar Valley“ mit Universität, Forschungslabors und Fabriken entstanden ist. Viele Solarfirmen haben sich hier mittlerweile niedergelassen.

Auch politisch ist Huang Ming zwischenzeitlich engagiert. Als Abgeordneter des Nationalen Volkskongresses arbeitete er an einem Gesetz für erneuerbare Energien mit, das 2006 in Kraft trat.

Huang Ming weist regelmäßig darauf hin, dass Chinas Wachstum noch zu sehr auf der Ausbeutung der Natur beruht, die Solarenergie in China noch immer eine untergeordnete Rolle spielt. „Unternehmer und Investoren müssen verstehen, dass sie mit grünen Energien Geld verdienen können, damit diese größere Bedeutung entwickeln können“, sagte er vor einiger Zeit. Der Mann, der in China „Sonnenkönig“ genannt wird, geht dabei mit großen Schritten voran. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes gehört der Unternehmer zu den 400 reichsten Männern der Volksrepublik.

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