Wirtschaft : Alterssicherung verändert die Börse

Studie: Nachfrage nach Fonds, Aktien und Derivaten gewinnt an Bedeutung Unternehmen und Arbeitnehmer verschenken Geld bei betrieblicher Vorsorge

-

Frankfurt am Main Die private Altersvorsorge wird in den kommenden 15 Jahren die internationalen Kapitalmärkte massiv beeinflussen. Dabei werden vor allem risikoorientierte Produkte wie Investmentfonds oder die direkte Anlage in Aktien und Anleihen an Bedeutung gewinnen. Selbst Derivate und alternative Investments werden künftig zur Altersvorsorge herangezogen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Allianz, die an diesem Donnerstag veröffentlicht wird. Dazu wurden 247 Finanzmarktexperten befragt. „Mehr Kapital wird in die Altersvorsorge fließen, die Nachfrage nach Produkten wird breiter und auch risikoorientierter“, heißt es in der Studie. Am meisten dürften künftig Investmentfonds und Fondssparpläne im Altersvorsorgeportfolio gewinnen. Es folgt die betriebliche Altersvorsorge vor der Direktanlage in Aktien und Anleihen, Derivaten, alternativen Investments und Lebensversicherungen.

Gerade bei der betrieblichen Altersvorsorge besteht indes noch großer Nachholbedarf, wie Josef Bader von der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung (DGbaV) am Mittwoch in Frankfurt hervorhob. Bundesweit nutzen nur etwa fünf bis zehn Prozent der Lohn- und Gehaltsempfänger den Vorzug der sogenannten Entgelt-Umwandlung aus. Auf der anderen Seite können die Unternehmen über diesen Weg bis zu 20 Prozent der Lohnnebenkosten einsparen, weil die Sozialabgaben auf Basis des geringeren ausgezahlten Bruttolohns berechnet werden. „Hier können große Unternehmen ihre Kosten um Millionenbeträge senken“, glaubt Bader. Seit Anfang 2002 haben die Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltumwandlung.

Glaubt man der ZEW-Studie, werden in den kommenden Jahren auch spekulative Finanzprodukte bei der Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen. Dies überrascht, weil diese Produkte bislang eher für eine kleine Zahl von Kunden interessant schienen. Ebenfalls als Überraschung werten die Autoren der Studie, dass die Lebensversicherung bei den Anlegern weiterhin hoch im Kurs steht. Schließlich gibt es derzeit in Deutschland schon eine sehr hohe Marktabdeckung von 91,5 Millionen Verträgen bei 82,5 Millionen Einwohnern. Außerdem entfallen vom kommenden Jahr an einige steuerliche Vorteile dieser Kapitalanlage, weshalb sie auf den ersten Blick unattraktiver erscheint.

Ihre herausragende Rolle wird auch die Immobilie als Teil der Altersvorsorge behalten. Mit 3,87 Billionen Euro ist laut einer Bundesbank-Statistik bereits jetzt fast die Hälfte des privaten Gesamtvermögens von 8,40 Billionen Euro in Wohnimmobilien investiert. Die Experten gehen sogar davon aus, dass die Nachfrage nach Immobilien für die Altersvorsorge in den kommenden 15 Jahren noch leicht zunehmen wird. Das gilt speziell für selbst genutzte Immobilien, während vermietete Immobilien leicht an Bedeutung verlieren werden.

Insgesamt erwarten die befragten Experten, dass es zum Höhepunkt der demografischen Krise im Jahr 2030 nicht zum so genannten „Asset Meltdown“ kommt. Damit ist ein Effekt gemeint, der eintritt, wenn die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben ausscheiden und mangels ausreichender staatlicher Rente vom Ersparten leben müssen. Eine aus volkswirtschaftlicher Sicht negative Sparquote mit fallenden Wertpapierkursen wäre im Extremfall die Folge.

Zwar rechnet ein Großteil der vom Mannheimer ZEW befragten Experten vom Jahr 2030 an mit einer fallenden Sparquote, sie sind jedoch auch der Meinung, dass mögliche negative Effekte durch eine stärkere internationale Diversifikation der Kapitalanlagen abgeschwächt werden können. In der Summe erwarten die Experten auf dem Höhepunkt der demografischen Krise im Jahr 2030 stabile Anleihen und nur leicht nachgebende Aktienkurse. scc (HB), ro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben