Wirtschaft : Altersvorsorge als Wachstumsmotor

INGO NARAT

Fondsgesellschaft DWS: Nur hohe Rendite schließt Rentenlücke / Großbritannien gibt Trend vorVON INGO NARAT (HB)Die Statistik dokumentiert den globalen Siegeszug der Investmentbranche: Weltweit stiegen die Anlagevermögen der Publikums-Wertpapierfonds im Kalenderjahr 1997 um 42,5 Prozent auf umgerechnet 11,868 Billionen DM.Wie die DWS in einer Analyse belegt, bestechen vor allem USA und Europa mit ihrer Dynamik, während Japan rückläufige Volumina ausweist .Die Fondsgesellschaft der Deutsche Bank-Gruppe stellt vor allem das anhaltend starke Wachstum der Aktienfonds in den Vordergrund.Das sei in erster Linie den USA zu verdanken, wo der Gesamtwert der Aktienfonds um 37 Prozent auf 2,4 Billionen Dollar gestiegen sei, in D-Mark gerechnet sogar um 59 Prozent.Neben dem deutlichen Wertzuwachs machte sich dabei laut DWS das Rekordinvestment an neuen Mitteln in diesem Segment in Höhe von 231,3 Mrd.Dollar bemerkbar.Ein großer Teil dieser Aktienfondsanlagen diene der privaten Altersvorsorge.Und der Anteil der in Investmentfonds angelegten Vorsorgepläne steige jedes Jahr.In den meisten europäischen Ländern spiele die individuelle Altersvorsorge mit Aktienfonds bisher zwar nur eine untergeordnete Rolle.Die Einsicht in die Notwendigkeit vermehrter Eigenvorsorge kombiniert mit einer ertragsstarken Anlageform wie den Aktienfonds nehme aber deutlich zu: "Denn nur mit einer überdurchschnittlichen Rendite ist die zwingend erforderliche private Vorsorge zur Schließung der ständig steigenden Rentenlücke in den europäischen Ländern zu schaffen." Als weiteren Faktor für das zukünftige Wachstum der Aktienfonds nennt die DWS die absehbare einheitliche Währung in Europa.Sie führe zu einer Verbreiterung der Anlagemärkte und -möglichkeiten: "Europa wird zum Inland auch in puncto ertragsstarker Zukunftsvorsorge." Die Volumina der in Wertpapierfonds inklusive Geldmarktfonds angelegten Gelder seien 1997 besonders in Spanien (plus 44 Prozent in lokaler Währung), Schweden (plus 43 Prozent) und Österreich (plus 32 Prozent) stark gestiegen.Für Deutschland nennt die DWS einen Zuwachs von 15,9 Prozent auf 413 Mrd.DM.Interessant daran: Der Anteil der Aktienfonds sprang von 20,7 Prozent auf 31,3 Prozent.Viele deutsche Anleger hätten zum Ende des vierten Quartals 1997 ihre Anlagen von Geldmarktfonds in Aktienfonds umgeschichtet, bemerkt die Fondsgesellschaft.Der Untersuchung zufolge stellt das Wachstum in Italien (plus 86 Prozent) die spanische Expansion noch in den Schatten.Die Reform des staatlichen Rentensystems und die Einführung des Pensionsfondsdekrets 1997 biete Fondsgesellschaften großen Spielraum in ihrem Anlageverhalten.Experten rechneten bis zum Jahr 2000 mit 300 neuen Pensionsfonds.In Großbritannien liege der Anstieg des Aktienfondsvermögens mit plus 23 Prozent unter den Vergleichswerten für Renten- und Geldmarktfonds, diese spielten bei der Fondsanlage insgesamt aber weiterhin keine große Rolle.Individuelle Vorsorgeanlagen in Form der Personal Equity Plans (PEPs) hätten die Dynamik getragen.Sie machten jetzt rund ein Viertel der Aktienfondsvermögen aus.Die steuerbegünstigten PEPs ergänzten die staatliche Altersvorsorge.Frankreich ist in der Statistik mit einem Rückgang des Fondsvolumens um vier Prozent ein Ausreißer.Ursächlich seien die massiven Mittelabflüsse bei Renten- und Geldmarktfonds.Aktienfonds dagegen hätten von leichten Mittelzuflüssen und den steigenden Börsenkursen in Frankreich profitiert.Den drastischen Rückgang des Fondsvermögens in Japan führt die DWS vor allem auf die Asienkrise zurück.Neben den Mittelabflüssen hätten insbesondere die Kursstürze an den Fernostbörsen die Fondsvermögen gedrückt.

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