Wirtschaft : Altersvorsorge: Dem Ifo-Institut geht die Rentenreform nicht weit genug

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Die Bundesregierung überschätzt die Wirkungen ihrer geplanten Rentenreform und geht bei der Berechnung der Effekte von zu optimistischen Rahmenbedingungen aus. Das kritisierte jetzt das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Wissenschaftler haben errechnet, dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung trotz der Reform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) bis zum Jahr 2030 nicht auf 22, sondern auf 23 Prozent steigen wird. 2035 werde er dann auf 24 Prozent und zusammen mit den Aufwendungen für die private Altersvorsorge sogar auf 28 Prozent klettern, befürchten die Ifo-Ökonomen. Sie nehmen bei ihrer Prognose an, dass sich die Beschäftigung und die Erwerbsbeteiligung der Menschen in Deutschland weniger günstig entwickeln werden, als es die Berliner Koalition vorhersagt. "Das ist der Wert, der auch ohne die Reform zustande gekommen wäre und den man eigentlich hatte vermeiden wollen", kritisierte der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Sinn schlug vor, statt dessen die Sparquote der deutschen Volkswirtschaft zu erhöhen, den Beitragssatz zur Rentenversicherung bei 20 Prozent einzufrieren und je nach dem aktuell eingenommenen Beitragsvolumen "noch weiter gehende Kürzungen der Umlagerenten zu akzeptieren". Als kurzfristige Maßnahme sei ein höheres Rentenalter nötig. Eine Annäherung an ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren sei erforderlich als Antwort auf die in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegene Lebenserwartung und die anhaltenden Frühverrentungen von Beschäftigten hier zu Lande. Dies übe für die heute jüngere Generation auch einen "indirekten Zwang aus, neben der gesetzlichen Rentenversicherung ergänzend Vorsorgeersparnisse zu bilden", heißt es im jüngsten Ifo-Schnelldienst.

Die Ifo-Forscher drängen die Rentenreformer zur Eile, weil in Deutschland schon ab dem Jahr 2023 eine Gerontokratie herrsche, "in der die Alten über die Jungen das Sagen haben". Nur die Furcht vor einer Auswanderung der Jungen werde die Mehrheit der Alten dann von einer Ausbeutung der Jungen abhalten. Mit jedem Jahr, das ungenutzt verstreiche, schrumpfe die strategische Mehrheit der - jüngeren - Reformer weiter. Komme eine Rentenreform indes nicht zu Stande, "kippt das Rentensystem und mit ihm vielleicht das ganze Land", warnt Ifo-Chef Sinn. Der Reformvorschlag der Schröder-Regierung sei gleichwohl eine gute Basis für einen Kompromiss mit der Opposition im Bundestag. Er schone die Generation, die vergleichsweise viele Kinder großgezogen habe, und differenziere stärker nach der individuellen Kinderzahl.

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