Wirtschaft : Altersvorsorge: Privatrenten genau vergleichen

Bernd Frank

Die private Altersvorsorge wird immer wichtiger. Bei der Wahl des Versicherers müssen die Bürger aufpassen: Bei den bisher angebotenen privaten Rentenversicherungen gibt es große Leistungsunterschiede. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest, die das Ergebnis am Dienstag in Berlin vorstellte, bekamen von 132 Vorsorgetarifen (je 66 für Männer und Frauen) nur vier die Note "sehr gut". Am besten schnitten die Versicherungsgesellschaften Hamburger Leben, Cosmos Direkt und HDI ab. 24 Tarife für Frauen und 14 für Männer erhielten "gut". Dagegen waren 18 Angebote für Männer und zehn für Frauen nur "ausreichend", insgesamt acht Tarife wurden sogar mit "mangelhaft" bewertet.

"Für einen sonnigen Ruhestand ist der Unterschied zwischen einem sehr guten und einem mangelhaften Produkt von großer Bedeutung", sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von "Finanztest". Wer 30 Jahre lang 2400 Mark jährlich anspart, bekommt als Mann beim Testsieger Hamburger Leben eine prognostizierte monatliche Rente von rund 2000 Mark, bei der als "mangelhaft" bewerteten Gutingia dagegen nur etwa 1500 Mark.

Untersucht wurden nur Angebote der "aufgeschobenen Rentenversicherung", bei der der Kunde über einen längeren Zeitraum Beiträge zahlt und später die Rente bekommt. Die Tester sind bei der Gesamtbewertung nach vier Kriterien vorgegangen: die garantierte sowie die - um die Überschussbeteiligungen angereicherte - prognostizierte Leistung, die Plausibilität, dass die Versicherer ihre versprochenen Leistungen auch einhalten und die Verfügbarkeit, falls der Kunde vorzeitig aussteigt oder die einmalige Kapitalauszahlung wählt.

Nach Hamburger Leben, Cosmos Direkt und HDI lagen bei den Tarifen für Frauen noch BHW, Inter, Basler, Mannheimer und Provinzial Kiel in der Spitzengruppe, bei den Angeboten für Männer BHW, Inter, LV 1871 und Provinzial Kiel. Mit "mangelhaft" schnitten Vereinigte Post, VPV und Gutingia (Frauen) sowie Concordia, Itzehoer, Vereinigte Post, Gutingia und VPV ab. Diese bekamen alle sowohl bei der prognostizierten Rendite als auch bei der Plausibilität ein Minus. "Zum Teil wird das Blaue vom Himmel geflunkert", so Tenhagen.

Stiftung Warentest ging von folgenden Annahmen aus: Der/die Versicherte beginnt im Alter von 35 Jahren mit den Beitragszahlungen von jährlich 2400 Mark und bekommt ab 65 eine gleichbleibende monatliche Privatrente. Es wurde unterstellt, dass bei Tod des Versicherten in der Ansparphase mindestens die Summe aller gezahlten Beiträge an die Hinterbliebenen gezahlt wird. Der Kunde hat Kapitalwahlrecht (Einmalauszahlung bei Rentenbeginn) und eine Garantiezeit von zehn Jahren: Wenn der Versicherte kurz nach Beginn des Ruhestands stirbt, wird die Rente bis Ende der Garantiezeit an die Hinterbliebenen ausgezahlt.

Als besonderen Vorteil hob Tenhagen hervor, dass das Langlebigkeitsrisiko abgedeckt ist. Versicherte sollten aber überlegen, eine dynamische oder teildynamische statt konstante Auszahlung zu vereinbaren - wegen des Kaufkraftverlusts des Geldes im Zeitablauf. Als Nachteil der privaten Rentenversicherung gilt, dass sie keine ausreichende Absicherung für die Hinterbliebenen bietet.

"Der Abschluss einer privaten Rentenversicherung ist grundsätzlich zu empfehlen", sagte Peter Schütt, Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen. Man sollte jedoch das endgültige Konzept für die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge abwarten. Erst wenn die genauen Voraussetzungen sowie Art und Umfang der Förderung feststünden, würden die Anbieter ihre Produkte nach der Rentenreform ausrichten.

Wer dennoch mit dem Abschluss nicht warten will, kann laut "Finanztest" damit rechnen, dass bestehende Verträge umgeschrieben werden können, um den staatlichen Kriterien zu entsprechen. Risikofreudigere könnten ihr Kapital aber besser durch lukrative Fondsanlagen vermehren. Beim Übertritt in den Ruhestand könnten sie dann immer noch eine Sofortrente mit Einmalzahlung kaufen.

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