Altersvorsorge : Rente mit 60 für den Vorstand

Aktionärsschützer kritisieren, dass in vielen Konzernen die Vorstandspensionen schon mit Erreichen des 60. Lebensjahres gewährt werden. Auch seien Vorstände vieler börsennotierter Unternehmen selbst in der Lage, sich im Alter zu versorgen.

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Kein Vergleich. SAP orientiert sich bei den Bonizahlungen der Manager nicht an der Konkurrenz, kritisieren die Aktionärsschützer.
Kein Vergleich. SAP orientiert sich bei den Bonizahlungen der Manager nicht an der Konkurrenz, kritisieren die Aktionärsschützer.Foto: ddp

Frankfurt am Main - Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen verdienen nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) so gut, dass sie für ihre Altersvorsorge selbst aufkommen können. Deshalb sei es nicht einzusehen, dass die Unternehmen jeweils millionenschwere Rückstellungen bilden müssten, die zudem für die Aktionäre nicht transparent seien, sagte SdK-Vorsitzender Klaus Schneider am Montag in Frankfurt am Main. Er kritisiert zudem, dass in vielen Konzernen die Vorstandspensionen schon mit Erreichen des 60. Lebensjahres gewährt werden. „Das ist ein Anachronismus in Zeiten, in denen in Deutschland über die Anhebung des Rentenalters auf 67 diskutiert wird.“

Im Durchschnitt verdienten die Vorstandschefs der 30 Dax-Konzerne 2009 gut 3,7 Millionen Euro. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und RWE-Chef Jochen Großmann lagen mit jeweils mehr als neun Millionen Euro an der Spitze.

„Wir fordern den Verzicht auf Pensionszusagen durch die Unternehmen“, erklärte Schneider. Ohnehin sei für die Aktionäre nicht erkennbar, was überhaupt zurückgestellt und was letztlich gezahlt werde. Vergleiche zwischen den Unternehmen seien schon gar nicht möglich, weil jeweils andere Kriterien gelten würden. „Bei einigen wird ab 60 gezahlt, bei den anderen ab 65, bei den einen zählt die Leistung, bei den anderen nicht.“

Scharf ins Gericht gehen die Aktionärsschützer auch mit den Regelungen für die erfolgsabhängige Vergütung der Vorstände. „In breiter Front kehren hier Verfahren zurück, die aus der Steinzeit guter Unternehmensführung zu stammen scheinen“, ereiferte sich SdK-Experte Lars Labryga. Für die Gestaltung von Optionen würde wie etwa bei SAP nicht mehr die Entwicklung bei Konkurrenzfirmen herangezogen. Bei anderen Unternehmen gebe es „lächerliche“ Untergrenzen von Aktienkurszuwächsen von zwei bis drei Prozent pro Jahr, nach denen Boni gewährt würden: „Das ist wie bei einem Hürdenlauf, bei dem die Hürden so niedrig sind, dass die Athleten vor Lachen nicht mehr laufen können.“

Die aktuell gültige Regelung beschere zum Beispiel Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche eine Verdoppelung seiner Bezüge, wenn der Aktienkurs von seinem Tiefstand von 18 Euro in vier Jahren auf 55 Euro steige. Dies, so Labryga, erinnere an das Jahr 2005, als Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp für seinen Weggang und das Aufatmen des Aktienmarktes mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag durch einen ähnlichen Plan belohnt wurde. „Das Ungemach an böswilligen Regelungen nimmt kein Ende“, sagte Labryga. Von Transparenz bei den Boniprogrammen könne keine Rede sein. Aktienoptionsprogramme und aktienbasierte Vergütungen sollten nur dann angewendet werden, wenn die jeweiligen Manager selbst investierten.

Generell hält die SdK von der in diesem Jahr erstmals praktizierten Abstimmung über die Vergütungssysteme auf den Hauptversammlungen angesichts fehlender Transparenz und Unverständlichkeit nicht viel. „Dies kann im Gegenteil dazu führen, dass sich die ohnehin überbezahlten Vorstände mit Duldung des Aufsichtsrates noch höhere Bezüge zuschieben.“

Positiv beurteilten die Aktionärsschützer aber die Dividendenzahlungen und damit die Beteiligung der Aktionäre am Konzernerfolg. „Die Gesellschaften bemühen sich um eine nachhaltige Dividendenpolitik“, sagte Schneider. 2010 haben 87 Prozent aller Dax-Unternehmen eine Dividende ausgeschüttet. Dabei wurden im Schnitt fast 56 Prozent der Gewinne an die Aktionäre weitergegeben. Die SdK fordert eine Quote von 50 Prozent. Telekom, BASF, Deutsche Post und Metro kommen sogar jeweils auf mehr als 100 Prozent, weil sie die Dividende komplett oder zum Teil aus den Rücklagen zahlen.

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