Wirtschaft : Altersvorsorge: Wie kann ich meine Rente aufbessern? Experten geben Antwort

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Ich bin 35 Jahre alt und möchte für später etwas auf die Seite legen. Eignet sich ein Aktiensparplan?

Es ist keine schlechte Idee, da Sie noch viele Jahre Zeit haben. Je näher Sie ans Rentenalter kommen, desto mehr sollten Sie allerdings daran denken, die kursabhängigen Aktienfonds in festverzinsliche Papiere umzuwandeln. Wenn Sie sich über die Wertentwicklung von verschiedenen Publikumsfonds informieren wollen, gibt es beispielsweise Übersichten beim Bundesverband der deutschen Investmentgesellschaften in Frankfurt (Main).

Meine Lebensversicherung wird bald fällig. Die Versicherungsgesellschaft hat mir, da ich kurz vor der Rente stehe, die Umwandlung in eine Rentenversicherung angeboten. Meine Bank hat mir dagegen einen Aktienplan mit Auszahlungsplan vorgeschlagen. Was raten Sie mir?

Bei der Rentenversicherung bekommen Sie jeden Monat - solange Sie leben - einen festen Betrag. Es ist eine sichere Geschichte. Der garantierte Betrag beinhaltet aber nur eine Mindestverzinsung von vier Prozent. Wieviel es mehr werden könnte, hängt von den Überschüssen ab, die die Versicherung erwirtschaftet. Letztlich ist es aber eine Wette auf ein langes Leben. Mit einem Aktienfonds haben Sie dagegen Chancen auf höhere Renditen. Sie haben aber auch höhere Kursrisiken. Wenn die Börse einmal nicht gut läuft und Sie trotzdem auf einen bestimmten Betrag im Monat angewiesen sind, müssen Sie eventuell mehr Anteile verkaufen, als Ihnen lieb ist.

Ich will mit 60 vorzeitig in Rente gehen und bin jetzt 55 Jahre alt. Was kann ich jetzt noch für meine Altersvorsorge tun?

Eigentlich wenig. Eine Lebensversicherung sollte mindestens zwölf Jahre laufen. Wenn sie vorher ausgezahlt wird, müssen Sie Steuern zahlen, danach nicht mehr. Sinnvoller ist es, in einen Fonds zu investieren und, sobald Sie 60 Jahre alt sind, einen Teil des Geldes eventuell aus Sicherheitsgründen in eine Rentenversicherung einzuzahlen. Die Rente wird nur mit dem Ertragsanteil versteuert, wird aber lebenslang ausgezahlt. Da wissen Sie genau, was Sie kriegen.

Mein Sohn ist 34 Jahre alt und als Maler in der Künstlersozialkasse versichert. Ist es sinnvoll, für frühere Ausbildungszeiten jetzt schon Beiträge in die Rentenkasse nach zu entrichten?

Wenn Sie das jetzt schon machen, hat Ihr Sohn nicht sehr viel davon. Die Nachentrichtung kann Ihr Sohn noch bis zum 45. Lebensjahr durchführen. Darum ist es sinnvoller, das Geld bis dahin, also in diesem Fall in den nächsten elf Jahren, privat in Kapitalfonds oder in Aktien anzulegen und erst dann den Antrag auf Nachentrichtung zu stellen. Das ist rentabler für Sie.

Als alleinerziehende Mutter mit 43 Jahren möchte ich noch zusätzlich für mein Alter sparen. Wäre eine Fondsanlage eine gute Möglichkeit?

Zuerst sollten Sie dafür sorgen, dass bei einem Todesfall Ihr Kind über eine Risikolebensversicherung weiterversorgt wird. Gerade Direktversicherungen haben hier günstige Angebote. Was Ihre Altersvorsorge betrifft, eignet sich in ihrem Alter durchaus ein Investmentsparvertrag in Aktienfonds. Wenn Sie sich aber dem Rentenalter weiter nähern, sollten Sie dann aber weniger kursabhängige Anlageformen wählen und den Anteil der festverzinslichen Wertpapiere erhöhen.

Wie lange muss ich mindestens in die Rentenversicherung eingezahlt haben, um einen Rentenanspruch zu erwerben?

Mindestens fünf Jahre. Dann bekommen Sie eine Rente aus diesen fünf Jahren gemäß der Höhe der eingezahlten Beträge. Arbeiten Sie länger, erhöht sich Ihre Rente entsprechend. Bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte oder der Landesversicherungsanstalt kann Ihnen gesagt werden, wie hoch Ihr Rentenanspruch bisher ist.

Sollte meine Tochter als Berufsanfängerin für den Fall eines schwerwiegenden Unfalls eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Für Berufsanfänger ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung in jedem Fall ratsam. Kommt eine Familie hinzu, empfiehlt sich eine Risikolebensversicherung kombiniert mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Ein Vorteil ist, dass eine solche Versicherung innerhalb von zehn Jahren auch ohne weiteren Gesundheitscheck bei höheren Beiträgen in eine kapitalbildende Lebensversicherung umgewandelt werden kann.

Lohnt es sich, für eine eigene Immobilie für das Alter zu sparen?

Eine selbstgenutze Immobilie ist nur zu empfehlen, wenn sie auch tatsächlich bis zum Rentenalter weitgehend abbezahlt ist. Wenn die Finanzierung nur mit Hängen und Würgen geht, sollte man die Finger davon lassen. Abgesehen davon wohnt man auch in den eigenen vier Wänden nicht zum Null-Tarif.

Sind Bundesschatzbriefe für die Altersvorsorge brauchbar?

Ja und Nein. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, über die Landeszentralbanken monatlich 100 Mark in Bundesschatzbriefen bei der Bundesschuldenverwaltung anzulegen. Der Vorteil dieser Anlage: Sie ist ausgesprochen kostengünstig und absolut sicher. Sie bietet allerdings im Moment eine relativ schlechte Verzinsung und ist unter steuerlichen Aspekten wenig attraktiv, weil Zinsgewinne oberhalb des Freibetrags von 3000 Mark für Ledige und 6000 Mark für Verheiratete zu versteuern sind.

Eignet sich ein Beteiligungsangebot als atypischer stiller Gesellschafter als Altersvorsorge?

Nein. Hier handelt es sich um ein Angebot des so genannten grauen Kapitalmarktes. Die Unternehmen unterliegen nicht der Kontrolle von Bundesaufsichtsämtern, wie etwa Banken und Versicherungen, und es gibt keine Einlagensicherungssysteme. Außerdem haben Sie als stiller Gesellschafter keinen Einfluß auf die Geschicke des Unternehmens, Sie sind aber unmittelbar an den Risiken und Chancen beteiligt. Atypisch bedeutet, dass das unternehmerische Engagement steuerlich gefördert wird. Das ist oft auch das entscheidende Werbeargument. Problematisch wird es allerdings, wenn so ein Unternehmen ein Insolvenzfall wird: Als atypischer stiller Gesellschafter bekommt man dann nichts aus der Konkursmasse.

Ich bin selbstständiger Unternehmer. Was passiert mit meiner Altersvorsorge, wenn die Firma in Konkurs geht?

Wenn Ihr Unternehmen in Konkurs geht, wird mit Ihrem Vermögen auch Ihre Altersvorsorge gepfändet. Erst, wennn alles aufgezehrt ist, greift die Sozialhilfe.

Seit Jahresanfang hat sich doch bei der Altersrente für Frauen etwas geändert. Ich bin am 21. 5. 1941 geboren. Wann kann ich denn nun in Rente gehen, ohne einen Abschlag bei der Rente in Kauf nehmen zu müssen?

Sie haben Recht. Für Frauen, die nach dem 30. 12. 1939 geboren sind, gelten seit dem 1. 1. 2000 neue Regelungen für die Altersrente. Um zu wissen, wann Sie ohne Abschlag in Rente gehen können, müssen Sie ausrechnen, wieviel Monate Sie nach dem 31. 12. 39 geboren sind. In Ihrem Fall sind das 17 Monate. Wollten Sie mit Ihrem 60. Geburtstag in Rente gehen, müssten Sie deshalb 17 mal 0,3 Prozentpunkte - einen Abschlag von 5,1 Prozent Ihrer Rente - in Kauf nehmen. Und dies gilt für Ihr gesamtes Rentenalter. Wollen Sie darauf nicht verzichten, müssen sie nach Ihrem 60. Geburtstag noch 17 Monate arbeiten.

Ich bin im Juli 1944 geboren und möchte vorzeitig in Rente gehen. Lohnt es sich, jetzt schon Geld einzuzahlen, um Abschläge auf die Rente auszugleichen?

Wenn Sie in Ihrem Alter mit 60 in Rente gehen, müssen Sie einen Abschlag von 16,5 Prozent auf die monatliche Rente hinnehmen. Wenn Sie davon ausgehen, alt zu werden, dann lohnt es sich, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.Die Fragen der Tagesspiegel-Leser beantworteten Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Karl-Heinz Klocke von der Landesversicherungsanstalt Berlin, Rainer Helbing von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte und Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin.

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