• Altlasten sollen für die 2,4 Milliarden Verluste des zweitgrößten deutschen Baukonzerns verantwortlich sein (Kommentar)

Wirtschaft : Altlasten sollen für die 2,4 Milliarden Verluste des zweitgrößten deutschen Baukonzerns verantwortlich sein (Kommentar)

Margarita Chiari

Was ist los bei Philipp Holzmann? Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre steht der Baukonzern am Rande des Konkurses. Und schuld daran sollen wieder einmal Altlasten aus dem Projektgeschäft sein, bei dem Holzmann sich Anfang der 90er Jahre bekanntermaßen gewaltig verspekuliert hatte. Doch hatte Konzernchef Heinrich Binder, der 1997 als Sanierer an Bord gekommen war, nicht erst vor kurzem angekündigt, diese Altlasten seien nun weitgehend bereinigt? Ist es möglich, dass er so gründlich getäuscht werden konnte? Brancheninsider und Analysten zeigten sich am Montag jedenfalls gleichermaßen überrascht über das Ausmaß der Misere. 2,5 Milliarden Mark sind keine Summe, die zufällig in den Bücher übersehen werden konnte.

Der Verweis auf kriminelle Energien ist da schnell zur Hand. Prompt spricht der Konzernvorstand auch über massive Pflichtverletzungen des früheren Managements - das weckt noch sehr frische Erinnerungen an den Fall HypoVereinsbank. Die Parallelen sind jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Hier wie dort ist bei der eigenständigen Projektentwicklung nach der Wende in den neuen Ländern ein großes Rad gedreht worden, hier wie dort hoffte man offenbar, die Schieflage eine Zeitlang verdecken zu können - bis sie sich mit einer Wiederbelebung des Marktes von alleine erledigt hätte. Mit dem Vertuschen aber hat es nun ein Ende. Spätestens der Fall HypoVereinbank hat auch die Wirtschaftsprüferbranche aufgeschreckt. Weitere Überraschungen sind in der Branche nicht auszuschließen.

Für die Holzmann-Geschädigten ist das kein Trost. Sicher: Die Gläubigerbanken werden einen Baukonzern dieser Größenordnung vermutlich nicht in den Konkurs schlittern lassen - im Vergleich zu den damit verbundenen Verlusten sind die 2,5 Milliarden, die nun sofort beglichen werden müssen, "peanuts". Doch geprellt fühlen müssen sich die Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, und die Aktionäre, die schon einmal bei der Kapitalerhöhung 1998 einsprangen. Heinrich Binder wird noch manche neugierige Fragen beantworten müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben