Wirtschaft : Am 1. Oktober übernimmt Hans Reich von Gert Vogt den Chefposten

Rolf Obertreis

Dass der Mann den Ruhestand herbeisehnt, kann man wahrlich nicht sagen. Gert Vogt, Vorstandschef der bundes- und bundesländereigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), strotzt auch in seinen letzten Tagen im Amt vor Energie. Am 1. Oktober übergibt er gleichwohl den Stab an seinen Nachfolger Hans Reich. Als eine seiner letzten Amtshandlungen wird der Banker für die KfW die Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) am nächsten Wochenende in Washington begleiten.

Die KfW ist ein Institut mit einem klaren Auftrag zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft - vor allem des Mittelstandes - und zur Finanzierung von Entwicklungshilfeprojekten in den armen Ländern. Der KfW mit ihren 1800 Mitarbeiter in der Zentrale in Frankfurt und in Berlin geht es nicht um Gewinnmaximierung, auch wenn sie mit einer Bilanzsumme von rund 315 Milliarden Mark und Kreditzusagen in Höhe von 62 Milliarden Mark im vergangenen Jahr zu den großen deutschen Geldhäusern zählt.

Sieben Jahre lang hat Vogt die KfW geführt und geprägt, 15 Jahre saß er im Vorstand, seit 34 Jahren ist er für die Bank aktiv. Schon an diesen Zahlen lässt sich die Bedeutung des 67jährigen Bankers für die KfW ablesen. Vogt hat durch seine offene, zupackende Art der Bank und der gesamten deutschen Wirtschaft unter die Arme gegriffen.

Vor allem in Asien kennt sich der KfW-Chef aus wie in seiner Westentasche. Kaum ein anderer Finanzexperte reklamiert so nachdrücklich ein stärkeres Engagement der deutschen Wirtschaft in Asien wie Vogt. Er ist aber nicht nur Wirtschaftsförderer, er engagiert sich auch für die armen und ärmsten Staaten. Entwicklungszusammenarbeit ist für ihn ein Muss, weil er um die Probleme in der Dritten Welt weiß, aber auch, weil es um die Märkte der Zukunft geht.

Über die Deutsche Bank und die Deutsche Treuhandgesellschaft kam Vogt als promovierter Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler schon 1965 zur KfW. Die Bank hat Vogt in den letzten sieben Jahren durch eine Phase des Umbruchs geführt. Das Geldhaus hat nicht nur die ehemalige DDR-Staatsbank mit ihren 400 Mitarbeitern übernommen. Es wurde mit seinen milliardenschweren Kreditprogrammen zu einem entscheidenden Helfer beim Aufbau in Ostdeutschland und hat dafür gesorgt, das Tausende von neuen Arbeitsplätze entstanden sind.

Mehr als 800 000 Kredite hat die KfW seit 1990 in den ostdeutschen Bundesländern zugesagt, fast 150 Milliarden Mark wurden bereitgestellt. Sie half auch dem Bund bei der Privatisierung von Lufthansa und Telekom. Mit dem Abgang von Vogt rückt mit Hans Reich ebenfalls ein bewährter KfWler und angesehener Banker an die Spitze des Unternehmens. Der 58jährige arbeitet seit 1966 für die KfW, seit 1990 sitzt er im Vorstand. Unterstützt wird er im übrigen von der ehemaligen SPD-Finanzexpertin Ingrid Matthäus-Maier, die bereits am 1. Juli aus Bonn in den Vorstand der KfW am Frankfurter Palmengarten gewechselt ist.

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