Wirtschaft : „Am Anfang ist immerein Brennen“

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Herr Steffny, wenn einem Sportler sieben Tage vor dem Berlin-Marathon einfällt, dass er noch einen neuen Laufschuh braucht. . .?

. . .dann ist es zu spät. Man sollte mindestens 100 Kilometer in dem Schuh gelaufen sein – und das sollte man sich in der letzten Woche vor dem Marathon möglichst verkneifen. Einen neuen Schuh muss man einlaufen.

Ist das wie mit einem neuen Auto – die ersten Kilometer gemächlich und erst dann Tempo steigern?

So ähnlich. Mit dem neuen Schuh sollte man am Anfang nur gehen und dann kürzere Läufe machen, sonst gibt es Blasen. Schuh und Fuß müssen sich aufeinander einstellen. Ich hatte selbst mit den allerbesten Schuhen, mit denen ich später Weltklasse gelaufen bin, am Anfang immer ein Brennen in der Sohle, manchmal auch Blasen.

Ein Tipp zur Vermeidung von Blasen?

Am besten die Füße dünn mit Vaseline einreiben – das puffert ein bisschen. Aber wenn ich mit dem Schuh schon 14 Tage gelaufen bin und es immer noch weh tut, dann ist der einfach schlecht für meine Füße.

Können Sportler einen Fehlkauf verhindern, wenn sie die Schuhe auf dem Laufband testen?

Das ist eine Möglichkeit. Aber viele fühlen sich auf dem Band unsicher und laufen sehr künstlich. Besser ist es, einen alten Schuh mit ins Geschäft zu bringen. Ein versierter Händler sieht daran, ob Sie nach innen laufen. Und sucht einen passenden Schuh aus.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schuhkauf?

Am besten nachmittags. Im Laufe des Tages wird der Fuß eine halbe Nummer größer, weil er ein bisschen anschwillt und das Fußgewölbe sich leicht absenkt. Wenn ich morgens einen Schuh kaufe und abends mit dem laufe, kann es sein, dass ich vorne anstoße und mir einen blauen Zehnagel hole.

Sitzt der Schuh besser, wenn Socken am Fuß sind?

Ich trage dünne Synthetiksocken, die keine Falten werfen und elastisch sind. Aber das ist Geschmackssache. Ich würde sie vor dem Lauf auch schon mal tragen. Sie werden dann weicher.

Sind teure Schuhe immer die besseren?

Nicht unbedingt. Schon ab 100 Euro gibt es vernünftige Laufschuhe. Das hängt mehr von der persönlichen Fußcharakteristik ab. Man kann natürlich auch ein günstiges Auslaufmodell vom letzten Jahr kaufen, das muss nicht das schlechteste gewesen sein.

Und wie lange hält ein Laufschuh?

Nach rund 1000 Kilometern ist Schluss. Manche halten auch länger. Man kann sich in seinen Schuh noch so verlieben und ihn immer wieder in die Waschmaschine stecken – aber irgendwann ist die Dämpfung hin.

Treten Sie beim Berlin-Marathon in einer Woche wieder zusammen mit Joschka Fischer an?

Bis heute war der völlig mit seinem Wahlkampfmarathon beschäftigt. Wenn er Außenminister bleibt, wird er wohl auch nicht als Erstes an Marathon denken. Falls nicht, können wir uns in Ruhe daranmachen, seine persönliche Bestzeit zu verbessern.

Das Gespräch führte Maren Peters.

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