Wirtschaft : Am Checkpoint Charlie verhört

Ich habe mich direkt in den Zug nach Berlin gesetzt, nachdem ich das in der Tagesschau gesehen habe. Ich habe in Wolfenbüttel gewohnt. Ich war damals noch Schüler. Am 10. November bin ich einfach am Checkpoint Charlie in die DDR gelaufen, dabei war der noch gar nicht auf. Aber ich war schon immer ein Grenzüberschreiter. Ich bin dann von Vopos festgenommen worden. Ich hatte nicht einmal meinen Personalausweis dabei. Aber die Vopos waren schon ziemlich locker. Die haben mir Kaffee angeboten und mir Fragen gestellt, auch was drüben im Westen so los ist. Meine Freunde waren völlig aufgeregt. Als ich wieder gehen durfte, haben wir dann an der Mauer auf der Westseite noch gefeiert. Man hat alles geschenkt bekommen. Wollte man eine Zigarette, bekam man eine ganze Schachtel. 1994 bin ich dann nach Berlin gezogen.

Leonhard Keil (37)

Künstler aus Berlin-Mitte

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