Wirtschaft : Am Donnerstag entscheidet sich die Tarifrunde

Der Tarifstreit in der Metallindustrie nähert sich der Entscheidung. Nachdem am Montag in Baden-Württemberg der Einstieg in einen gemeinsamen Entgeltrahmentarifvertrag für Arbeiter und Angestellte (ERA) gelungen war, äußerte sich IG Metall-Chef Klaus Zwickel am Dienstag optimistisch: "Jetzt ist der Weg frei, um deutliche Lohnerhöhungen für die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie durchzusetzen." Dazu müssten die Arbeitgeber aber ihr bisheriges Angebot kräftig nachbessern, sagte er am Dienstag in Frankfurt. Im möglichen Pilotbezirk Baden-Württemberg werden die Gespräche am Mittwoch auf Grund von Terminproblemen der Teilnehmer unterbrochen. Sie sollen aber in jedem Fall am Donnerstag fortgesetzt werden. Trotz der Einigung bei ERA ist das Gesamtvolumen der Lohnerhöhung weiter strittig. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, die Arbeitgeber bieten jeweils zwei Prozent für dieses und das nächste Jahr. Sollte in den nächsten Tagen keine Einigung zu Stande kommen, erwägt die Gewerkschaft noch im April eine Urabstimmung über einen Streik.

In den Tarifverhandlungen des Baugewerbes haben die Arbeitgeber auch zu Beginn der vierten Runde am Dienstag in Berlin kein Angebot vorgelegt. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert für die bundesweit 950 000 Beschäftigten 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Im Unterschied zur Metallindustrie sind im Baugewerbe derzeit keine Warnstreiks möglich, weil immer noch die Friedenspflicht gilt. Die Arbeitgeber wollen frühestens an diesem Mittwoch einen Vorschlag präsentieren. "Jetzt kommt es zunächst darauf an, dass wir uns in einer Reihe von allgemeinen Themen einander näher kommen", sagte ihr Verhandlungsführer Thomas Bauer. Dazu zählte er die Neu-Einteilung der Lohngruppen, flexiblere Arbeitszeiten sowie die Frage eines einheitlichen Mindestlohns in Ost und West, wie er von den Gewerkschaften verlangt wird. Derzeit müssen im Westen pro Stunde mindestens 9,80 Euro gezahlt werden, im Osten dagegen nur 8,63 Euro.

IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel schloss ein Scheitern der Tarifverhandlungen nicht aus. "Wenn jetzt nichts kommt, sehe ich wenige Chancen, dass wir das noch auf die Reihe kriegen." Falls eine der beiden Seiten das Scheitern erklärt, käme der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler als Schlichter zum Zuge. Geißler hatte bereits vor zwei Jahren im Tarifkonflikt der ostdeutschen Bauindustrie vermittelt.

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