Wirtschaft : "Am Ende wunderte ich mich selbst"

Jürgen Schneiders falsche Angaben zum Objekt Tauentzien

FRANKFURT (MAIN)(ro).Jürgen Schneider hat weiter seine Probleme mit der Wahrheit.Auch am 28.Verhandlungstag wurde der Prozeß auf Bitten seiner Verteidiger kurz unterbrochen.Wieder einmal mußten sie den 63jährigen eindringlich darauf hinweisen, daß er wahrheitsgemäß aussagt.Denn auch beim Objekt Tauentzienstraße 7b/c in Berlin arbeitete Schneider mit falschen Zahlen: Bei seinem Kreditantrag an die Norddeutsche Landesbank gab er Ende 1992 einen Anschaffungspreis von 151 Mill.DM an, obwohl er nur 83 Mill.DM bezahlte.Als die Bank den Kaufvertrag einsehen wollte, legte Schneider neben dem richtigen Kaufvertrag über 83 Mill.DM ein gefälschtes Dokument über 68 Mill.DM vor und erzählte dem Mitarbeiter der NordLB frei erfundene Geschichten über Restitutionsansprüche, Vorhaltekosten und Zinsen."Das war nur Palaver, Palaver", meinte Schneider.Erst über ein Jahr später, im März 1994, kam die NordLB Schneider auf die Schlichte und leitete damit seinen Niedergang ein. Bis er zu einigermaßen klaren Aussagen zum Anklagepunkt 3 und dem Vorwurf eines besonders schweren Betruges - der NordLB soll ein Schaden von 48 Mill.DM entstanden sein - bereit war, mußte Schneider allerdings auch am Dienstag massiv von seinem Verteidiger und auch von Richter Heinrich Gehrke angestoßen werden.Als Schneider das wachsende Mißtrauen der NordLB auf "dunkle Wolken" am Immobilienmarkt schieben wollte, platzte Gehrke fast der Kragen: "Die dunkle Wolke hieß Schneider.Hören Sie doch auf mit den Fisimatenten." Erst nach und nach räumte der Immobilienpleitier am Dienstag ein, daß er im Kreditantrag mit völlig überhöhten Mieteinnahmen - 7,8 statt 2,8 Mill.DM - und anderen fiktiven Ausgaben argumentierte.Unter anderem führte Schneider eine Grundsteuerzahlung an, die er noch gar nicht geleistet haben konnte, weil der Kauf noch gar nicht abgewickelt war.Und er berichtete von einem Kaufinteressenten, der einen Gewinn von 40 Prozent garantieren würde.Auch das war gelogen, wie Schneider am Dienstag einräumte.Den Kreditantrag reichte er bei der NordLB Anfang Dezember 1992 ein.Noch im Dezember gewährte die Bank ein Darlehen von 131 Mill.DM.Schneider: "Das war ein ganz einfacher Vorgang." Der Kaufvertrag für das Objekt Tauentzienstraße wurde aber erst Anfang 1993 unterzeichnet. Erst dann kam die NordLB auf die Idee, den Kaufvertrag einzusehen.Schneider weigerte sich, das Dokument an die Bank zu schicken, schließlich hatte er ja keinen Vertrag über 151 Mill.DM.Stattdessen lud er den zuständigen Banker in sein Büro in die Villa Andreae in Königstein.Dort legte er den richtigen Vertrag über 83 Mill.DM und ein gefälschtes Dokument über 68 Mill.DM vor, was Schneider am Dienstag allerdings erst auf Drängen des Richters einräumte."Am Ende wunderte ich mich selbst, daß die Sache funktionierte." Vierzehn Monate dauerte es bis die Verantwortlichen der NordLB merkten, daß etwas faul war.Am 7.März 1994 forderten sie Schneider auf, bis 11.März die Original-Dokumente vorzulegen und 60 Millionen DM Festgeld als Sicherheit zu überweisen, ansonsten müßten sie Anzeige erstatten.Das war das erste Signal für Schneiders Niedergang - rund vier Wochen vor seines Flucht und dem Zusammenbruch seiner Imperiums.Jürgen Schneider war dabei gedanklich schon auf der Flucht nach Genf.

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