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Am Nachmittag legen die Piloten die Arbeit nieder. : Streik bei Lufthansa beginnt früher als geplant

Der Start ins Wochenende wird für viele Lufthansa-Passagiere zur Geduldsprobe. Wegen des erneuten Piloten-Streiks fallen 200 Flüge aus. Immerhin: Die Lokführer wollen nicht parallel streiken - aber vielleicht später.

Carsten Brönstrup
Nicht mit mir. Der Konflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit kommt offenbar nicht voran.
Nicht mit mir. Der Konflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit kommt offenbar nicht voran.Foto: dpa

Lufthansa-Passagiere müssen sich zum Start ins Wochenende und zum Ende der Ferien auf Behinderungen einstellen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will am heutigen Freitag zwischen 17.00 und 23.00 Uhr Kurz- und Mittelstreckenflüge bestreiken, die vom größten deutschen Flughafen in Frankfurt abfliegen. Bereits ab 13.30 Uhr hat die Airline aber erste Flüge aus dem europäischen Ausland nach Frankfurt am Main abgesagt, um den Flugbetrieb nach dem Ausstand wieder so schnell wie möglich normalisieren zu können. Insgesamt sollen nach Angaben von Lufthansa mehr als 200 Flüge ausfallen, rund 25 000 Passagiere dürften betroffen sein. Vor einer Woche hatten Arbeitsniederlegungen der Piloten die Lufthansa-Tochter Germanwings getroffen.
Der Konzern will mit einem Sonderflugplan das Schlimmste abfedern. Wer ab Frankfurt gebucht hat, sollte sich im Internet informieren.

Die Lokführergewerkschaft GDL will parallel keine Aktionen unternehmen. "Da ist Ruhe", sagte ein Sprecher. Es gebe entsprechende Absprachen mit der Gewerkschaft VC, nicht parallel zu streiken. Zwar stünden Arbeitskampf-Maßnahmen weiter im Raum, es werde aber "Pi mal Daumen" eine Ankündigungsfrist von 14 Stunden geben. GDL-Chef Claus Weselsky hatte nach dem Warnstreik am vergangenen Montag angekündigt, noch ein- oder zweimal die Arbeit niederlegen und dann eine Urabstimmung über längere Streiks durchführen zu wollen. Die Lokführer verlangen von der Deutschen Bahn mehr Geld, aber auch mehr Einfluss.

„Die Kunden können kostenlos umbuchen, sie können stornieren. Wir bieten ihnen an, mit der Bahn zu fahren bei innerdeutschen Verbindungen, und natürlich buchen wir sie auch auf andere Airlines um, wenn das möglich ist“, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels im ZDF-„Morgenmagazin“. Die Airline kritisierte die Streikankündigung scharf: Dies sei eine „besondere und nicht nachvollziehbare Zumutung“, zumal dies das letzte Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sei. Der Streik treffe damit viele Familien auf der Heimreise aus dem Urlaub und Tausende von Geschäftsreisenden am Ende der Arbeitswoche. Cockpit schrecke nicht davor zurück, in der Hauptreisezeit zum Ferienende in den drei Bundesländern für ihre Interessen zu streiken.
Hintergrund des Streiks ist der seit längerem schwelende Tarifkonflikt. Dabei geht es um die Übergangsversorgung, die Lufthansa-Piloten in ihrem Vorruhestand erhalten. Die Gewerkschaft will in dem Tarifkonflikt größere Einschnitte bei den Vorruhestandsregelungen für die rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten verhindern. Sie erklärte, jederzeit einigungsbereit zu sein, um Streiks abzuwenden.
Erst am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft die Lufthansa-Tochter Germanwings sechs Stunden lang bestreikt. Dadurch waren 116 von 164 Flügen ausgefallen. Von den Ausfällen waren rund 15 000 Passagiere betroffen.

Die Deutsche Bahn will wegen des Lufthansa-Streiks bei Bedarf zusätzliche Züge auf stark gefragten Strecken fahren lassen. Am Flughafen-Bahnhof in Frankfurt sollen zusätzliche Mitarbeiter die Reisenden lotsen, wenn nötig auch an weiteren Bahnhöfen, wie das Unternehmen mitteilte. Lufthansa-Passagiere können ihre Tickets bei der Fluggesellschaft gegen Bahn-Gutscheine oder Fahrkarten umtauschen lassen. Die Bahn empfiehlt Reservierungen.
Mehr Buchungen lösen Streiks regelmäßig auch bei den Fernbus-Anbietern aus. Die nötigen Kapazitäten seien vorhanden, versicherte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. mit dpa

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