Wirtschaft : Am Schluss nur noch solide

Josef Ackermann verabschiedet sich mit einem dürftigen Quartalsergebnis.

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Frankfurt am Main - Mit einem ziemlich enttäuschenden Ergebnis hat die Deutsche Bank das letzte volle Quartal unter der Regie von Vorstandschef Josef Ackermann abgeschlossen. Der Nettogewinn schrumpfte von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund ein Drittel auf nur noch 1,4 Milliarden Euro, bedingt unter anderem durch Abschreibungen und die Vorsorge für Rechtsrisiken. Während Ackermann von einem „soliden“ Ergebnis sprach, reagierten Analysten und Börsianer enttäuscht. Sie hatten einen Gewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro erwartet; die Aktie verlor zeitweise fünf Prozent.

Einen konkreten Ausblick für das gesamte Jahr gab Ackermann nicht, er sieht aber einige ermutigende Zeichen. „Die Deutsche Bank ist gut darauf vorbereitet, Herausforderungen zu bewältigen.“ Nach seiner Ansicht spiegelt das Quartalsergebnis die Zurückhaltung auf den Kapitalmärkten und in der gesamten Weltwirtschaft wider. Außerdem sei es durch das konservative Risiko- und Kapitalmanagement der Bank beeinflusst. Dazu gehört unter anderem auch der Verkauf des Pharmaherstellers Actavis. Für die Übernahme hatte die Bank 2007 einem isländischen Investor Geld geliehen. Das Unternehmen hat hohe Schulden, die auch zulasten der Bank gingen. Bereits im vierten Quartal hatte sie für Actavis 400 Millionen Euro abgeschrieben, jetzt kommen 250 Millionen Euro hinzu. Außerdem werden 200 Millionen Euro für Rechtsrisiken, etwa bei Prozessen in den USA, zurückgestellt. Getragen wurde das Ergebnis der Bank im Quartal vom Investmentbanking, das Ackermanns Ko-Nachfolger Anshu Jain leitet. Insgesamt wurde im dort angesiedelten Kapitalmarktgeschäft von Januar bis März ein Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Euro erzielt. Das waren zwar 600 Millionen Euro weniger als vor Jahresfrist. Aber im letzten Quartal hatte es aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise einen Verlust von 400 Millionen Euro gegeben. Profitiert hat die Bank davon, dass sich viele Unternehmen und Staaten über Anleihen frisches Geld besorgen.

Das von Ackermann in den letzten Jahren unter anderem mit der Übernahme der Postbank deutlich ausgebaute Privatkundengeschäft brachte 413 Millionen Euro, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte. Die Postbank belasteten erneute Abschreibungen auf Griechenlandanleihen, ihr Beitrag zum Gewinn lag bei nur 33 Millionen Euro.

In seinem letzten Brief an die Aktionäre bedankte sich Ackermann für deren Loyalität. Auch den Mitarbeitern zollte er Anerkennung für ihre Einsatzbereitschaft. Es sei für ihn eine Ehre gewesen, für die Bank zu arbeiten. Der Schweizer hat seinen letzten Auftritt am 31. Mai auf der Hauptversammlung. Am 1. Juni übernehmen dann Jain und Jürgen Fitschen das Ruder. Rolf Obertreis

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