Wirtschaft : Amazon freut sich über „ein Superjahr“

Umsatz des Online-Händlers steigt um ein Viertel , doch Steuern und Investitionen drücken den Gewinn

Yasmin El-Sharif

Berlin - Steuerliche Mehrbelastungen und hohe Investitionen haben Amazon das Schlussquartal 2006 verdorben. So ging der Nettogewinn des weltgrößten Internet-Einzelhändlers in den letzten drei Monaten um 51 Prozent auf 98 Millionen Dollar zurück. Der Jahresgewinn fiel von 359 auf 190 Millionen Dollar. Der Chef von Amazon-Deutschland, Ralf Kleber, ist dennoch überaus zufrieden. „Wir hatten ein Superjahr. Wir haben den Umsatz um 26 Prozent gesteigert und dabei die Zehn-Milliarden- Dollar-Marke überschritten“, sagte Kleber dem Tagesspiegel. Der Gewinnrückgang sei im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass Amazon in einige Projekte viel Geld investiert habe, beispielsweise in den Aufbau der Europazentrale in Luxemburg.

Zahlen für das Deutschlandgeschäft gibt Amazon nicht bekannt. „Wir brechen keine Einzelzahlen heraus“, sagte Kleber, „regionale Unterteilungen spielen in unserem Gesamtgeschäft keine Rolle.“ Etwas mehr Aufschluss geben die Ergebnisse für das Geschäft außerhalb der USA: Mit den Online-Auftritten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Japan und China insgesamt legte Amazon im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zu. Das macht einen Marktanteil von etwa 45 Prozent aus.Ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft in Deutschland habe zu dem positiven Umsatz im nicht-amerikanischen Raum beigetragen, sagte Kleber. „An unserem Spitzentag in den letzten Wochen vor Jahresende haben wir mehr als 600 000 Artikel verkauft“, sagte Kleber. Neben den Klassikern wie Bücher, Filme und Musik-CDs sei vor allem die Nachfrage nach MP3-Playern und nicht zuletzt nach Flachbildfernsehern kräftig gestiegen.

„Bei den Flachbildfernsehern haben wir eine Wachstumsrate von mehr als 500 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, erklärte der Amazon-Deutschlandchef. Auch im laufenden Geschäftsjahr will Amazon weltweit wachsen. Im ersten Quartal wolle das Unternehmen den Umsatz um 25 bis 32 Prozent steigern, im Gesamtjahr um 21 bis 28 Prozent. „Dass wir so früh eine so positive Prognose für das Gesamtjahr abgeben, ist absolut unüblich und zeigt unsere Zuversicht.“ Die gelte auch für das Deutschlandgeschäft trotz der Mehrwertsteueranhebung. „Die fällt bei unserem Produktangebot nicht so ins Gewicht. Wir verkaufen ja zurzeit keine Autos.“

Auch die verlängerten Ladenöffnungszeiten im deutschen Einzelhandel sieht Kleber nicht als Bedrohung des Online-Geschäfts an. „Wir sind 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar“, sagte Kleber. Selbst das verstärkte Vordringen der großen Handelskonzerne auf den Online-Markt lässt Kleber nach außen hin gelassen. „Der größte Teil aller Kunden in Deutschland ist noch offline. Die müssen wir noch gewinnen.“ Bei einem derzeitigen Anteil des Online-Handels von etwa sechs Prozent am Gesamtmarkt sei also noch genügend Spielraum vorhanden.

So sieht es auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom, der regelmäßig Daten zum deutschen Online-Handel erhebt. Der Verband geht davon aus, dass in der nächsten Zeit allein im Privatkundengeschäft mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 33 Prozent zu rechnen ist. 2010 würden Privatkunden rund 145 Milliarden Euro in Online-Shops ausgeben. Davon würden viele Versandhändler profitieren. Auch im vergangenen Jahr hätten private Haushalte bei Online-Händlern Waren im Wert von 46 Milliarden Euro gekauft.

Zu den Gewinnern zählte auch der Online-Versand Karstadt.de, der zum Handelskonzern Karstadt-Quelle gehört. Die Sparte habe im abgelaufenen Jahr mit einem Wachstum von 15,6 Prozent einen Rekordumsatz von drei Milliarden Euro erzielt, sagte ein Sprecher. Derart positive Ergebnisse sollen auch in diesem Jahr erzielt werden.

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