Wirtschaft : Amazon hofft auf Weihnachten

Kosten für Patentstreit belasten Internet-Einzelhändler/Gewinn und Aktienkurs brechen ein

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Online-Einzelhändler Amazon hat im vergangenen Quartal einen Gewinneinbruch erlitten und eine nur mäßig optimistische Prognose für das Weihnachtsgeschäft gegeben. An der Nasdaq in New York gab die Aktie bis Mittwochabend daher massiv um mehr als zwölf Prozent auf zuletzt 40,21 Dollar nach. Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber gab sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel dennoch zuversichtlich: „Zieht man Sonderkosten ab, lag der Gewinn über den Erwartungen. Und was wichtiger ist: Unsere operative Marge ist gestiegen.“

Als Grund für das um 44 Prozent auf umgerechnet gut 25 Millionen Euro gesunkene Ergebnis im dritten Quartal gab das US-Unternehmen einen Patentrechtsstreit in den USA an. Dort hatte Amazon im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs umgerechnet 33,3 Millionen Euro gezahlt. Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon noch einen Gewinn von 45 Millionen Euro ausgewiesen.

Deutschland-Chef Kleber zeigte sich mit dem Quartalsergebnis generell zufrieden. „Vor allem des Media-Segment, das unter anderem Bücher, CDs, DVDs und Software umfasst, wächst insgesamt stärker als vor einem Jahr.“ Als Verkaufsschlager habe sich erwartungsgemäß der neue Harry-Potter-Band erwiesen, von dem bei Amazon weltweit 1,6 Millionen Exemplare verkauft wurden. Schätzungen zufolge hat Amazon im Online-Buchhandel einen Marktanteil von rund 60 Prozent.

Mehr als die Hälfte seines Quartalsumsatzes von umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Euro machte der Online-Händler in den USA und Kanada. Hier stiegen die Erlöse zuletzt um 28 Prozent auf 830 Millionen Euro. Mit seinen britischen, deutschen, französischen, japanischen und chinesischen Web-Sites setzte Amazon zuletzt 26 Prozent mehr um, insgesamt gut 680 Millionen Euro. Besonders dynamisch entwickelt sich dabei der Bereich Elektronikartikel (plus 43 Prozent). Er macht inzwischen ein gutes Viertel vom Gesamtumsatz des als Internetbuchhändler gestarteten Unternehmens aus.

Amazons Vorausschau für das Weihnachtsquartal fiel vage aus. Beim operativen Gewinn bewegt sich die Prognose zwischen einem Rückgang um 17 Prozent und einem Plus von 29 Prozent. „Es ist schwer vorauszusagen, wie das letzte Vierteljahr verlaufen wird“, sagte Ralf Kleber. Auch für 2006 gab das Unternehmen keine konkreten Prognosen ab. Amazon-Firmengründer und Vorstandschef Jeff Bezos erklärte lediglich, steigende Technologie-Investitionen würden den Unternehmenswert verbessern, auch wenn es wahrscheinlich eine Weile dauern werde, bis sie sich bezahlt machten.

Dass sich auch die gestiegenen Benzin-Kosten langfristig negativ im Ergebnis bemerkbar machen könnten, wollte Deutschland-Chef Kleber nicht ausschließen. „Kurzfristig treffen uns steigende Transportkosten nicht, weil wir entsprechende Vereinbarungen mit unseren Logistikpartnern haben“, sagte er. An eine Senkung der Versandkosten, wie zuletzt in Großbritannien, denkt Amazon in Deutschland nicht. Bestellungen ab einem Bestellwert von 20 Euro sind in der Regel versandkostenfrei, für Bücher entfällt eine Gebühr ganz. Im Weihnachtsgeschäft setzt Ralf Kleber auf neue Produkte. So seien auf der Buchmesse „ erfolgversprechende Neuerscheinungen“ präsentiert worden. Im Musikbereich deuteten sich hohe Verkaufszahlen für die neuen CDs von Robbie Williams und Madonna an. Microsoft vertreibe zudem seine neue Spielekonsole Xbox. Auch der digitale Musikplayer iPod von Apple, Flachbildschirme und Digitalkameras versprächen ein gutes viertes Quartal.

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