Wirtschaft : Amazon zieht in Leipzig ein

Online-Händler eröffnet im Herbst Logistikzentrum mit 400 Arbeitsplätzen / Messestadt immer attraktiver

Henrik Mortsiefer

Berlin/Leipzig - Der weltgrößte Internet-Einzelhändler Amazon eröffnet im Herbst ein neues Logistikzentrum in Leipzig. In den kommenden drei Jahren sollen bis zu 400 feste Arbeitsplätze entstehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Einschließlich Saisonkräften könnten es bis zu 800 werden. Amazon baut das 70 000 Quadratmeter große Zentrum nicht selbst, sondern mietet das Gebäude von dem internationalen Bauträger Eurinpro. Das Land Sachsen fördert die Ansiedlung mit 28 Prozent der Investitionssumme von gut 90 Millionen Euro. Die Stadt hatte sich gegen konkurrierende Standorte in Nordrhein-Westfalen und im europäischen Ausland durchgesetzt.

„Wir haben uns für Leipzig wegen der zentralen Lage, der hervorragenden Infrastruktur und des Mitarbeiterpotenzials entschieden“, sagte Paul Niewerth, Geschäftsführer Amazon Logistik, dem Tagesspiegel. Das Unternehmen unterhält bereits in Bad Hersfeld ein 42 000 Quadratmeter großes Versandzentrum, das an der Kapazitätsgrenze angekommen ist und erhalten bleiben soll. Aus dem neuen Logistikzentrum in Leipzig soll das gesamte Produktsortiment des Onlinehändlers – von Büchern bis zu Gartengeräten – versandt werden, mit einem Schwerpunkt auf großen und schweren Waren. Amazon beschäftigt weltweit 12 000 Mitarbeiter und ist mit 50 Millionen Kunden der größte Einzelhändler im Internet.

Für die Messestadt Leipzig spricht auch die Nähe zum geplanten Luftdrehkreuz der Post-Tochter DHL am nahe gelegenen Flughafen. Amazon könnte über diesen Umschlagplatz seine Produkte deutlich schneller versenden. DHL investiert 300 Millionen Euro in Leipzig, das Drehkreuz soll 2008 in Betrieb gehen und 10 500 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen. Für rund 290 Millionen Euro entsteht bis 2007 zudem die neue Start- und Landebahn Süd, die DHL zur Bedingung für die Ansiedlung seines internationalen Logistikzentrums gemacht hatte.

„Wir freuen uns sehr, dass sich Amazon für Leipzig entschieden hat“, sagte Detlef Schubert, Beigeordneter für Wirtschaft und Arbeit der Stadt Leipzig, dem Tagesspiegel. Er erwartet, dass in sechs bis sieben Jahren bis zu 1500 Arbeitsplätze rund um das Amazon-Versandzentrum entstehen können. Seit einem dreiviertel Jahr habe man an dem Projekt gearbeitet und die Planungen in enger Kooperation mit Amazon in Rekordzeit abgeschlossen. So wurde die Bebauung des riesigen Grundstücks, das die Größe von elf Fußballfeldern hat, in der Nähe der Autobahn A14 und des Flughafens Leipzig-Halle im Internet geplant, um die internationale Abstimmung zu erleichtern. Die Stadt brauchte nach eigenen Angaben für die Baugenehmigung 16 Tage.

„Einmal mehr haben die Wirtschaftsförderer von Stadt und Freistaat professionell, geräuschlos und erfolgreich gearbeitet“, unterstrich der designierte Oberbürgermeister Leipzigs, Burkhard Jung (SPD). Amazon bringe nicht nur dringend benötigte Arbeitsplätze in die Region. Die Investition zeige auch den Erfolg des Förderkonzepts „Logistik-Cluster“ Leipzig/Sachsen. Leipzig wird immer mehr zu einem attraktiven Industriestandort. 2005 hatte BMW sein neues Werk im Norden der Heldenstadt eröffnet. Dort arbeiten 2500 Beschäftigte. Ende 2006 sollen es bei voller Auslastung rund 5500 sein. Porsche erwägt zudem, einen großen Teil seiner vierten Baureihe im Leipziger Werk zu bauen, wo heute mit 370 Beschäftigten die Endmontage des im slowakischen Bratislava gefertigten Cayenne stattfindet.

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