Ambitionierte Pläne : Twitter strebt an die Börse

Das US-Unternehmen Twitter, einst als Forschungsprojekt gestartet, will vom nächsten Jahr an Geld verdienen. Das Social Network will dazu "nicht traditionelle Werbeformen" in seinen Dienst aufnehmen.

Corinna Visser

Wer Wahlergebnisse über Radio oder Fernsehen erfährt, ist spät dran. So konnte man zum Beispiel bereits vor der offiziellen Verkündung über das Internetnetzwerk Twitter erfahren, dass Horst Köhler erneut zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Auch als im Januar ein Flugzeug im Hudson landete, ging das erste Foto aus New York wohl über Twitter in die Welt hinaus. Mehr als 58 Millionen Menschen weltweit nutzen den Dienst. Er verdient zwar immer noch kein Geld, dennoch fühlt sich das Unternehmen aus San Francisco jetzt stark genug für einen Börsengang.

Twitter, 2006 als Forschungsprojekt von Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams gegründet, ist ein soziales Netzwerk, über das seine Nutzer Informationen austauschen können. Dabei ist eine Textnachricht maximal 140 Zeichen lang. Tweet (deutsch: zwitschern) heißt so eine Kurznachricht. Wie man auf der Webseite lesen kann, befindet sich das Geschäftsmodell von Twitter derzeit noch in der Entwicklungsphase. „Wir geben mehr Geld aus, als wir verdienen“, heißt es dort lapidar.

Das soll sich ändern. Mitbegründer Biz Stone glaubt, dass der Dienst vom kommenden Jahr an Geld abwerfen wird. Dann will Twitter in seinen 140-Zeichen-Nachrichten auch Werbung ermöglichen. Die konkreten Pläne dafür werde Twitter Anfang des neuen Jahres vorstellen, versprach Stone am Dienstag in Tel Aviv nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Um die Nutzer nicht abzuschrecken, werde die Werbung anders gestaltet, als bislang im Internet gewohnt, wo Banner und der Verkauf von Links zu Such-Schlagworten die meisten Umsätze bringen. Stone kündigte „nicht-traditionelle“ Werbeformen an. „Alle werden es lieben. Es wird großartig sein“, sagte er, ohne Details zu nennen. In einem weiteren Schritt will Twitter den Dienst auch auf Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch anbieten.

Stone will Twitter langfristig unabhängig halten. Es stehe kein Verkauf zur Diskussion, betonte er. „Wir wollen eine Firma aufbauen, die es lange Zeit geben wird“, sagte er vor kurzem in Oxford. „Wenn das nur durch einen Börsengang geht, dann machen wir das. Gibt es aber eine andere Möglichkeit, ist das auch großartig.“ Demnach ist Twitter „definitiv interessiert“ an weiteren Zukäufen. Der Kauf der Suchmaschine Summize im vergangenen Jahr habe sich als überaus gute Entscheidung entpuppt. Twitter arbeitet wie viele andere soziale Netzwerke im Internet daran, ein existenzfähiges Geschäft aufzubauen und hat sich im September mit der Fondsgesellschaft T. Rowe Price und der Beteiligungsfirma Insight Venture Partners neue Geldgeber ins Haus geholt. Nach Angaben einer mit der Situation vertrauten Person belief sich die Kapitalspritze auf insgesamt 100 Millionen Dollar, was Twitter theoretisch einen Marktwert von einer Milliarde Dollar verschaffen würde. Die Investition gibt dem Dienst nach Stones Worten Rückenfreiheit: „Es gibt keine Termine, wann wir die Gewinnschwelle erreichen müssen. Wir haben genug Geld auf der Bank“, sagte er in Tel Aviv. Im Oktober wurden Kooperationen mit Microsoft und Google besiegelt, Anfang November eine Zusammenarbeit mit der Karriereplattform LinkedIn.

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