Wirtschaft : AMD-Chef vermisst fairen Wettbewerb

Öffentliche Ausschreibungen angeblich zugunsten von Intel / Dresdner Chipfabrik feiert 10. Geburtstag

Ralf Hübner[Dresden]

Dresden - Der US-amerikanische Chiphersteller Advanced Micro Device (AMD) hat faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Halbleitermarkt gefordert. Den Regierungen müsse vor Augen geführt werden, dass es keine Innovation ohne Wettbewerb gebe, mahnte AMD-Chef Hector Ruiz bei einer Festveranstaltung in Dresden anlässlich des zehnjährigen Bestehens des sächsischen Unternehmensstandortes. Er sei optimistisch, dass AMD bei einem fairen Wettbewerb weiterhin Wachstumschancen habe. Hintergrund der Äußerungen von Ruiz sind Untersuchungen der EU-Kommission, die Vorwürfen nachgeht, wonach Behörden bei der Rechnerbeschaffung den AMD-Konkurrenten Intel bevorzugt haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Ruiz einen fairen Wettbewerb bei öffentlichen Ausschreibungen zu. Es solle zu keiner Diskriminierung kommen. Sie glaube, dass AMD dadurch eine faire Chance habe.

Die Bundeskanzlerin bekräftigte zudem, dass die Innovationen ein zentrales Thema ihrer Politik seien und forderte entsprechendes Engagement der Wirtschaft. „Da gibt es noch Nachholbedarf“, sagte Merkel. Vor allem mittelständische Betriebe sollen durch Prämien gefördert werden. Dabei komme es nicht nur auf gute Ideen, sondern auch darauf an, dass dabei Produkte und Arbeitsplätze entstünden. Merkel verwies darauf, dass der Bund in der laufenden Legislaturperiode rund sechs Milliarden Euro zusätzlich für Forschung und Entwicklung ausgeben wolle. Europa müsse seine Stärken bündeln und Cluster bilden, sagte Merkel.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zufolge ist Dresden auch wegen des Engagements von AMD zur „Chip-Schmiede Europas“ geworden. Insgesamt hingen an der Chipfertigung in Dresden fast 9000 Arbeitsplätze. AMD hatte am 24. Oktober 1996 mit dem Bau seiner ersten Chip-Fabrik in Dresden begonnen. Im Oktober 2005 wurde ein zweites Werk in Betrieb genommen, das die Prozessor-Chips auf 300-Millimeter-Wafern produziert. Durch die Umstellung der ersten Fabrik ebenfalls auf 300-Millimeter-Wafer soll die Produktionskapazität der Dresdner Werke weiter erhöht werden. Ende nächsten Jahres sollen die zwei Fabriken monatlich rund 45 000 Siliziumscheiben produzieren. Zudem sollen laut Ruiz bis Mitte 2008 Strukturen von 45 Nanometer eingeführt werden. Bis Anfang 2009 will das Unternehmen dann eigenen Angaben zufolge rund 6,4 Milliarden Euro in Dresden investiert haben. Derzeit sind dort rund 3000 Mitarbeiter direkt bei AMD beschäftigt, diese Zahl könnte sich noch um 200 erhöhen. Zudem ist AMD an dem Maskenhersteller Advanced Mask Technology Center (AMTC) sowie dem Forschungszentrum für Nanoelektronische Technologie beteiligt. Ralf Hübner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben