Wirtschaft : Ameisen als Vorbild

Michael Detering (HB)
Perfekte Kommunikation. Nur so klappt das Zusammenleben der Ameisen. Foto: dpa
Perfekte Kommunikation. Nur so klappt das Zusammenleben der Ameisen. Foto: dpaFoto: picture-alliance / dpa / kina

In einem Ameisenstaat leben Millionen Tiere. Nur dank perfekter Kommunikation funktioniert das Zusammenleben. Findet eine Ameise Futter, markiert sie den Weg von der Quelle zum Ameisenbau mit Duftstoffen. So wissen ihre Artgenossen, wo es Nahrung gibt. Unternehmensberater nutzen dieses Beispiel, um zu zeigen, wie wichtig es in komplexen Organisationen ist, Informationen weiterzugeben. Da Mitarbeiter keine Duftstoffe versprühen, bleibt den Firmen nichts anderes übrig, als ein systematisches Wissensmanagement aufzubauen.

Manager können einiges von der Natur lernen. Der neue Wissenschaftszweig, der sich damit beschäftigt, nennt sich Wirtschaftsbionik. Einige Wissenschaftler und Unternehmensberater meinen, dass sich Managementmethoden gezielt von der Natur abschauen lassen – gerade in Krisenzeiten. Die Erkenntnisse der Wirtschaftsbionik reichen von der Strategieentwicklung über die Personalpolitik bis hin zu Organisationsfragen.

Fredmund Malik, der Gründer des Malik Management-Zentrums in St.Gallen, ist überzeugt: „Die wirklich spannenden Ergebnisse für die Lösung komplexer Systeme werden künftig aus den biologischen Wissenschaften kommen.“ Wer einsehe, dass sich die Zukunft nicht mit Computern berechnen lässt, brauche völlig neue Strategien – vergleichbar mit jenen, die die Natur entwickelt hat. „In der Natur ist der Störfall die Regel. Biologische Organismen rechnen ständig mit Überraschungen.“

Die Biologin Gudrun Happich ist davon überzeugt, dass Unternehmen im Krisenmanagement viel von der Natur lernen können. „Viele Unternehmen sind auf Krisen unvorbereitet und lassen sich dann verrückt machen“, sagt Happich. In der Natur sei dies anders. Als Beispiel nennt sie Blut, das im Blutkreislauf flüssig ist, bei einer Wunde aber automatisch gerinnt. Ein verletzter Mensch überlebt, weil der Körper auf die Verletzung vorbereitet ist und sofort reagiert.

Ein Unternehmen, das in seiner Struktur erfolgreich der Natur nacheifert, ist der US-Konzern W. L. Gore & Associates. Die Firma ist bekannt für die Kunststoffmembran Gore-Tex, die Textilien wasserdicht und atmungsaktiv macht. Die Organisationsstruktur des Unternehmens wird oft mit einer Amöbe verglichen. Dieser Einzeller teilt sich, sobald er eine bestimmte Größe erreicht. Ähnlich ist es bei Gore. Die Firmenleitung will nicht, dass in einem Werk mehr als 200 Mitarbeiter arbeiten. Wächst eine Einheit zu stark, wird sie aufgeteilt. „So stellen wir den persönlichen Umgang und die direkte Kommunikation der Kollegen sicher“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Michael Detering (HB)

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