Wirtschaft : Amerika bietet mehr

Zwischen 1998 und 2001 hat Deutschland einige Nobelpreise eingeheimst. Vier deutsche Wissenschaftler wurden Preisträger für Physik und Medizin. Die Preise demonstrieren jedoch keineswegs die hohe akademische Qualität des Standorts Deutschland, sondern vielmehr, dass ihr Heimatland für deutsche Wissenschaftler unattraktiv ist: Alle vier Forscher lebten und arbeiteten in den USA.

Die Abwanderung zu den besseren Möglichkeiten auf der anderen Seite des Atlantiks ist kein deutsches Phänomen. Amerika ist das Ziel für viele der besten Wissenschaftler aus anderen Ländern der EU. Einem Bericht der EUKommission zu Folge beschließen mehr als 70 Prozent der zwischen 1991 und 2000 in den USA promovierten EU-Bürger, in Amerika zu bleiben.

Europa kann es sich kaum leisten, seine talentiertesten Köpfe zu verlieren. Die EU-Kommission befürchtet, dass in Europa bis zum Jahr 2010 rund 700 000 Wissenschaftler und Ingenieure fehlen werden. Die hohe Qualität von Forschung und Lehre ist die Hauptmotivation der Forscher, die ihre Karriere in Amerika weiterentwickeln wollen. Europa investiert 40 Prozent weniger in Forschung und Entwicklung als die USA. Die Differenz erwächst aus den Investitionen des privaten Sektors, die in Europa fehlen.

Die knappen Ausgaben der Regierungen sind Grund für das Mittelmaß der meisten europäischen Universitäten. US-Unis haben im Gegensatz dazu mehr Freiheiten und können dank der engen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Entdeckungen in wirtschaftlich erfolgreiche Projekte umwandeln. Außerdem sind Amerikaner aufgeschlossener gegenüber neuen Technologien, während Fortschritte in Europa oft mit Skepsis aufgenommen werden. Dazu kommen niedrigere EU-Löhne und höhere Steuern.

In der heutigen Welt ist der wissenschaftliche Fortschritt von zentraler Bedeutung für Innovation und Wachstum. Deshalb müssen die besten Gehirne in Europa gehalten oder überzeugt werden, zurückzukommen. Das wird die lahme Wirtschaft der Staaten verjüngen.

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