Wirtschaft : Amerikaner sollen den Kleinwagen Smart kaufen

Markteinführung 2007 / Abfindungen bei VW

Alfons Frese (mit dpa)

Berlin - Das neue Modell des Kleinwagens Smart wird im kommenden Jahr in den USA eingeführt. Nach monatelanger Prüfung hat der Daimler-Chrysler-Vorstand eine entsprechende Entscheidung getroffen und will dies am Mittwoch bekannt gegeben. Bislang war die Markteinführung des Zweisitzers in den USA wegen der dortigen Sicherheitsvorschriften nicht möglich. In Europa gibt es das Auto sei gut acht Jahren. Das Nachfolgemodell ist für das kommende Frühjahr angekündigt. Mit dem neuen Auto soll der Smart, der im elsässischen Hambach gebaut wird, auch endlich schwarze Zahlen erreichen. Schätzungen zufolge hat das kleinste Auto von Daimler- Chrysler den Konzern gut vier Milliarden Euro gekostet. Allein die Einstellung des Smart forfour, der gemeinsam mit Mitsubishi in Holland gebaut wird, veranschlagt Daimler-Chrysler mit einer Milliarde.

Die Marktchancen in den USA werden in der Branche skeptisch beurteilt, weil die Amerikaner große Fahrzeuge schätzen. Den angestrebten Absatz von bis zu 20 000 Autos pro Jahr hält etwa Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank denn auch für „ziemlich optimistisch“. Im Übrigen sei es schwierig, bei dem seit Jahren schwächelnden Dollar ein so kleines Auto mit Gewinn in den USA zu verkaufen. Aber vermutlich, so Stürzer, werde der neue Smart zu deutlich geringeren Kosten als der alte produziert, so dass sich der Export doch lohne. In Kanada wird der Smart im Übrigen schon seit Oktober 2004 verkauft. Seitdem entschieden sich rund 6000 Kanadier für das ungewöhnlich kleine Auto. Die nun anstehende Markteinführung in Nordamerika hat Stürzer zufolge vor allem das Ziel, die Produktionskapazität im Hambacher Werk auszulasten.

Bei Volkswagen und General Motors geht man den umgekehrten Weg: Überkapazitäten werden unter anderem mit der Zahlung von Abfindungen abgebaut. VW teilte am Dienstag mit, von den rund 85 000 in Frage kommenden westdeutschen Mitarbeitern hätten sich bislang 1000 zum freiwilligen Ausscheiden gegen Bezahlung entschieden. Je nach Betriebszugehörigkeit und Lohnhöhe schwanken die Abfindungen zwischen 41 000 und 250 000 Euro. Darin enthalten ist ein Bonus von 54 000 Euro für diejenigen, die bis September einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. VW will insgesamt 20 000 Stellen abbauen, davon 14 000 über Altersteilzeit und den Rest per Abfindung.

Bei General Motors haben sich inzwischen 35 000 Mitarbeiter in Nordamerika zum freiwilligen Ausscheiden entschlossen. Auch bei der früheren GM-Tochter Delphi seien 13 000 entsprechende Verträge unterschrieben worden. Die Gesamtkosten für Abfindungen und Frühverrentungen beziffern sich laut GM auf 3,8 Milliarden Dollar. Der größte Autohersteller der Welt befindet sich seit Jahren in Schwierigkeiten und hat in den USA vor allem an asiatische Autohersteller Marktanteile verloren. Bis 2008 sollen deshalb zwölf GM-Standorte in Nordamerika geschlossen werden. Gegen ähnliche Pläne demonstrierten am Dienstag 2800 Beschäftigte der GM-Tochter Opel in Bochum. Mehrere europäische Werke gelten als gefährdet.

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