Wirtschaft : Amerikanische Pleite

Jefferson County hat Insolvenz angemeldet. Klamme US-Bezirke belasten auch deutsche Banken

Birmingham/Frankfurt am Main – Mehr als vier Milliarden Dollar Schulden und festgefahrene Gespräche mit den Gläubigern – am Ende sah die US-Gemeinde Jefferson County im Bundesstaat Alabama nur noch einen Ausweg aus der Misere: Sie meldete Insolvenz an und stellte Antrag auf Gläubigerschutz. Es ist die bislang größte Pleite einer amerikanischen Gebietskörperschaft. Sie könnte nicht nur einen gefährlichen Ansteckungseffekt haben, sondern auch Vorbote neuer Belastungen für die deutschen Banken sein.

Denn viele der hiesigen Institute, allen voran Landesbanken, haben sich in den Boomjahren nicht nur auf dem US-Immobilienmarkt verzockt. Sie liehen auch amerikanischen Städten, Kommunen und Landkreisen großzügig Geld. Wie viel sie davon wiedersehen, ist offen. Die Schuldenkrise kommt also in einem neuen Gewand daher.

Die sogenannten Municipalities können – anders als ihre Pendants in Deutschland – pleitegehen. Sie haben zur Finanzierung vielfach Anleihen begeben, die an Investoren verkauft wurden. In Jefferson County zählt die BayernLB zu den größten Gläubigern. 52 Millionen Dollar steckte die Landesbank vor etwa zehn Jahren in die Kommunalfinanzierung.

Ein Teil des Geldes hat das Institut schon vor einiger Zeit abgeschrieben, wie ein Sprecher betont. Dass der Rest nun gänzlich weg ist, sei eher unwahrscheinlich, vieles hänge an den bevorstehenden Verhandlungen über die Umstrukturierung der Schuldenlast.

Insgesamt waren deutsche Banken bei den US-Kommunen zuletzt mit 38 Milliarden Dollar engagiert, das Geld für US-Bundesstaaten noch gar nicht eingerechnet. Zumindest war dies die Zahl, die das Bundesfinanzministerium zu Jahresbeginn auf eine parlamentarische Anfrage hin genannt hatte. Neuere Statistiken gibt es nicht. In Finanzkreisen wird aber davon ausgegangen, dass sich das Engagement eher verringert haben dürfte. Die BayernLB etwa mache schon seit Jahren kein Neugeschäft mehr mit US-Kommunen. Die Altlasten der BayernLB lagerten in der bankinternen Abbaueinheit, heißt es. Auch andere deutsche Geldhäuser dürften Branchenkennern zufolge von dieser Methode Gebrauch gemacht haben, erst recht, wenn sie über große externe „Bad Banks“ verfügen, für die am Ende der Steuerzahler aufkommt.

Jefferson County, einst ein prosperierender Industriestandort, wurden Korruption und Misswirtschaft zum Verhängnis. Seit 2008 steht die Gemeinde am Rande des Zusammenbruchs, damals wurde ihre Bonität herabgestuft, die Zinsen stiegen und stiegen.

Die Pleite soll nun den Neuanfang bringen – sie ist größer als der bislang prominenteste Fall in den USA: Die Insolvenz von Orange County in Kalifornien im Jahr 1994. Jefferson County ist nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg bereits Insolvenz Nummer zwölf in diesem Jahr. So viele kommunale Pleiten hatte es zuletzt in der Wirtschaftskrise 2009 gegeben. rtr

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