Wirtschaft : Amerikas Branchenvize übernimmt Telefon-Konkurrenten Sprint

Der US-Telefonkonzern Sprint, an dem auch die Deutsche Telekom mit einem Milliardeninvestment beteiligt ist, wird sich nach Informationen des US-Senders CNBC mit dem nationalen Konkurrenten MCIWorldcom zusammentun. Der Sender meldete am Montag, das Sprint-Management gebe einem bislang nicht öffentlichen MCI-Kaufgebot den Vorzug gegenüber einer kurzfristig vorgebrachten Übernahme-Offerte der großen US-Regionalgesellschaft BellSouth. Das Angebot von MCIWorldcom für Sprint wird in der US-Presse auf 65 Milliarden Dollar (119 Milliarden Mark) taxiert. BellSouth bietet demnach sogar 72 Milliarden Dollar (fast 132 Milliarden Mark).

Die Deutsche Telekom ist seit 1996 mit zehn Prozent an Sprint beteiligt. Der US-Konzern bietet Ferngespräche, Mobilfunk und Datenübertragung an. Das Telekom-Investment von ursprünglich rund 1,5 Milliarden US-Dollar (2,75 Milliarden Mark) für das Sprint-Anteilspaket hat sich mittlerweile auf etwa acht Milliarden US-Dollar (14,6 Milliarden Mark) vervielfacht. Telekom-Chef Ron Sommer, der seinen Konzern erklärtermaßen durch Zukäufe und Fusionen in Wachstumsregionen wie den USA stärken will, hatte in Interviews wiederholt Kaufinteresse an Sprint signalisiert, aber die Preisvorstellungen der US-Partner als überzogen zurückgewiesen.

Branchenbeobachter bezweifeln, dass sich der Bonner Konzern auf einen milliardenschweren Übernahmekampf um Sprint einlassen wird. Für denkbar gilt vielmehr, dass sich die Telekom mit dem Erlös aus ihrem Aktienpaket finanziell gestärkt auf die Partnersuche in den USA begibt.

MCI Worldcom ist mit zahlreichen Fusionen und Firmenübernahmen nach AT&T zum Branchenzweiten in den USA aufgerückt. Die Gesellschaft hat in den ersten sechs Monaten 1999 rund 18 Milliarden Dollar umgesetzt.

Mit dem Kauf von Sprint (Jahresumsatz: 16 Milliarden Dollar) würde MCIWorldcom weiter zum Branchenprimus AT&T (53,2 Milliarden Dollar) aufschließen. Sprint, Deutsche Telekom und France Télécom betreiben gemeinsam die internationale Telefonfirma Global One. Das Gemeinschaftsunternehmen richtet sich vor allem an große Unternehmen, hat aber noch nicht die in ihn erwarteten Hoffnungen erfüllt. Sprint, MCI Worldcom und Bell South nahmen zu den Übernahmeberichten keine Stellung. Ein gewichtiges Wort in der Übernahmeschlacht dürften jedoch die Aufsichtsbehörden sprechen. Während MCI vermutlich Abstriche im Internet-Geschäft hinnehmen müsste, dürfte es bei einem Pakt von BellSouth und Sprint zu deutlichen Einschränkungen kommen. Das große Hindernis für die BellSouth ist, dass sie und die anderen regionalen US-Telefongesellschaften bisher noch keine Genehmigung für den Einstieg ins Ferngesprächsgeschäft erhalten haben.

Die MCI Worldcom war in den achtziger Jahren ein bescheidenes Telefonunternehmen. Firmenchef Bert C. Roberts machte die Worldcom jedoch inzwischen zu einem der größten amerikanischen Telekommunikationskonzerne. Er nutzte dabei den Höhenflug der eigenen Aktien, um die Käufe zu bezahlen. Im vergangenen Jahr kaufte Worldcom (Clinton/Mississippi) den zweitgrößten US-Ferngesprächsanbieter MCI Communications Corp.. MCI Worldcom bietet auch lokale Telekommunikationsdienstleistungen an. Sie ist eine der weltstärksten Internet-Telekommunikationsfirmen und einer der führenden Datenübermittler.

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