Wirtschaft : Amerikas strenge Kartellwächter

WALTER PFÄFFLE

Harter Gegner für Microsoft: US-Wettbewerbshüter galten schon immer als streng und unerbittlichVON WALTER PFÄFFLE NEW YORK.Seit der Jahrhundertwende versuchen die US-Kartellbehörden zum Schutz des Wettbewerbs die Machtkonzentration in den Händen weniger Großkonzerne zu bekämpfen.Die rechtlichen Grundlagen dazu bilden der 1880 erlassene Sherman Act, der Clayton Act von 1914 und der 1978 verabschiedete Hart-Scott-Rodino Act.Gemeinsamer Nenner der drei Gesetze ist der Kampf gegen die Monopolbildung.Die Reagan Administration hatte das Kartellrecht seit 1981 liberal ausgelegt und Dutzende von Zusammenschlüssen genehmigt.Mit der am Montag gegen Microsoft eingeleiteten Klage scheint das Pendel in die umgekehrte Richtung zu schwingen.Die Zerstückelung der Standard Oil Company of New Jersey im Jahr 1911 war der erste von acht großen Anti-Trustfällen in diesem Jahrhundert.Die Trust-Knacker verklagten den Rockefeller-Konzern, der versuchte, die Mineralölindustrie durch den Aufkauf von Konkurrenten und Pipelines zu monopolisieren.Mit Erfolg: Standard Oil wurde in 34 Firmen aufgespalten.Etliche wie Exxon, Mobil und Chevron zählen heute zu den größten Ölgesellschaften.Eine Kartellklage gegen American Tobacco leitete die Regierung 1907 wegen der Monopolisierung der Zigarettenindustrie ein.Dem Unternehmen wurden Preisabsprachen vorgeworfen.American Tobacco wurde 1911 für schuldig befunden.Es wurde in 16 Teile gespalten, von denen etliche bis heute überlebt haben, darunter American Tobacco, Reynolds und Lorillard.Dem führenden Stahlhersteller U.S.Steel Corporation wurde 1911 wegen seiner schieren Größe ein Antitrustverfahren angehängt.Der Konzern monopolisiere zwei Drittel des Stahlmarktes und treffe regelmäßig mit Rivalen zusammen, um die Preise zu bestimmen.Doch 1920 wurde U.S.Steel für unschuldig erklärt.Die Entscheidung setzte den großen Antitrustfällen ein vorläufuges Ende.Erst 1937 schlug das Kartellamt wieder zu.Die Aluminum Company of America (Alcoa) wurde nach einem achtjährigen Prozeß wegen Monopolisierung der Aluminium-Produktion für schuldig befunden.Das Kartellamt nannte als Beweis die Größe des Unternehmens und seine Fähigkeit, die Aluminiumnachfrage frühzeitig einzuschätzen und zu niedrigeren Kosten zu befriedigen.Dieses Verhalten sei wettbewerbswidrig.Alcoa mußte sich von einigen Fabriken trennen, die an kleinere Konkurrenten verkauft wurden.Die Filmgesellschaften Hollywoods wurden 1938 wegen Monopolbildung durch den Besitz von 70 Prozent der Lichtspieltheater verklagt; sie hätten Absprachen getroffen, welche Filme wo und wie lange gezeigt werden dürfen.1948 für schuldig befunden, mußten Paramount Pictures und vier andere Studios 1197 Kinos verkaufen.Das längste Antitrustverfahren wurde 1969 gegen IBM wegen Monopolisierung des Computermarktes eingeleitet.Drei verschiedene Regierungen beschäftigten sich mit dem Fall.Dreizehn Jahre später entschied das Justizministerium, die Klage sei unbegründet.Im Fall der 1974 angestrengten Klage gegen AT&T machte die Regierung geltend, der Telefonkonzern benutze seine marktbeherrschende Position bei Ortsgesprächen dazu, Konkurrenten den Zugang zum Ferngesprächsmarkt zu versperren.Der Fall wurde am gleichen Tag beigelegt, an dem das Verfahren gegen IBM eingestellt wurde.AT&T mußte seine sieben regionalen Betriebsgesellschaften ausgliedern.

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