Wirtschaft : Ami bleibt hier

Deutschlands Solarmarkt wächst. Da will der US-Konzern First Solar doch noch nicht abwandern.

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Lokalpatrioten. Das amerikanische Managment gibt dem Werk in Frankfurt (Oder) eine Galgenfrist. Die Hälfte der Beschäftigten werde länger gebraucht, hieß es. Foto: dpa-Zentralbild
Lokalpatrioten. Das amerikanische Managment gibt dem Werk in Frankfurt (Oder) eine Galgenfrist. Die Hälfte der Beschäftigten werde...Foto: dpa

Frankfurt (Oder)/Berlin - Wegen unerwartet stark gestiegener Nachfrage aus Europa will der amerikanische Solarmodulehersteller First Solar seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) doch nicht wie angekündigt zum 31. Oktober schließen. Stattdessen soll sogar die teils ruhende Produktion in einer der beiden Fabriken wieder hochgefahren werden. „Neu ist, dass beide Werke bis wenigstens Ende Oktober und eines eventuell darüber hinaus bis Ende des Jahres produzieren werden“, sagte David Wortmann, Chef des Berliner Büros von First Solar, dem Tagesspiegel am Dienstag. Damit könnten möglicherweise rund 600 der insgesamt 1200 Beschäftigten in Frankfurt bis Jahresende an ihrem Arbeitsplatz weiterarbeiten, sagte er.

„Die Entscheidung, zu schließen, ist aber nicht infrage gestellt“, stellte der Stadthalter des Konzerns aus Arizona klar. Vor zwei Monaten hatte Deutschland-Chef Christopher Burghardt die Werksschließungen noch mit den Worten begründet: „Der europäische Solarmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Förderung größtenteils wirtschaftlich nicht überlebensfähig.“ Woher der Sinneswandel?

Die von der Bundesregierung im Februar angekündigte Senkung der Fördersätze für Solarstrom hatte zunächst Investoren verunsichert und weitere regionale Solarmodulhersteller wie Odersun und Inventux in die Insolvenz getrieben. Die Drohung befeuerte aber zugleich die Nachfrage. Der Energieverband BDEW meldete, dass im Mai hierzulande 40 Prozent mehr Solarstrom erzeugt worden ist als im gleichen Vorjahresmonat – was nicht nur am Wetter lag. Der umsatzstarke Schlussverkauf hält an, denn die Förderung bleibt hoch. Die entsprechende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ging durch den Bundestag, wurde aber im Bundesrat gestoppt. Am heutigen Mittwoch soll das Gesetz erstmals im Vermittlungsausschuss verhandelt werden. Das kann Monate dauern. Erst wenn die Beratungen scheitern, kann der Bundestag die ursprüngliche Förderkürzung wie geplant verabschieden – dann auch ohne Zustimmung des Bundesrates.

Wortmann von First Solar sagt, die gestiegene Nachfrage sei zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung zur Standortschließung gefallen sei, noch nicht absehbar gewesen. Auch andere Firmen wurden überrascht. Auch das Frankfurter Werk von Conergy, das 2011 noch 30 Mitarbeiter entlassen hatte, ist wieder voll ausgelastet – wie das Berliner Werk von Solon. Hier arbeiten drei Schichten an sechs Tagen rund um die Uhr. Am Montag hatte zudem das Oldenburger Solarunternehmen Aleo Solar angekündigt, zugunsten seines Stammwerks in Prenzlau (Uckermark) sein spanisches Werk spätestens zum Jahresende zu schließen.

Doch der Schlussverkauf wird irgendwann enden, neue Strategien müssten her, sagt Stefan Grasmann, Leiter der Energieabteilung bei der Managerberatung Zühlke dieser Zeitung. „Im reinen Massenmarkt wird es für eine deutsche Produktion einfacher Systemkomponenten extrem schwierig – außer wenn die Fertigungsqualität eine außerordentliche Rolle spielt“. Die Solarunternehmen hierzulande sollten sich auf „intelligente Systeme fokussieren, die die spezifischen Bedürfnisse ihrer Zielmärkte optimal unterstützen“, sagte er. Deutsche Unternehmen seien dann Weltmarktführer, wenn es etwa um Variantenvielfalt geht, wenn intelligente, modulare Bestandteile zu größeren, spezialisierten Lösungen zusammengesetzt werden und diese schlüsselfertig geliefert werden können.

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