Wirtschaft : Amnesty nimmt Firmen in die Pflicht

Anieke Walter

Berlin - Amnesty International hat sich dafür ausgesprochen, Unternehmen per Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechten zu verpflichten – und zwar über Ländergrenzen hinweg. Salil Shetty, Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, sagte am Freitag in Berlin: „Ohne Gesetze wird es immer Unternehmen geben, die sich verantwortungsvoll verhalten – aber es sind zu wenige.“ Der gebürtige Inder Shetty erläuterte in einem Vortrag an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, wie er sich die Umsetzung vorstellt. Die Veranstaltung fand im Rahmen der englischsprachigen „Open Lecture“ statt, einer Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel.

Unternehmen hätten politische und wirtschaftliche Macht, nutzten diese aber häufig nur im eigenen Interesse, zum Beispiel bei Direktinvestitionen im Ausland. Der erste Amnesty-Generalsekretär indischer Herkunft forderte, transnationale Unternehmen gesetzlich in die Pflicht zu nehmen – und dies mit internationaler Wirkung auf ihre Geschäfte im Ausland. So müssten zum Beispiel die gleichen Standards bei der Arbeitssicherheit überall auf der Welt gelten. Das freiwillig Enagagement mancher Firmen sei nicht ausreichend.

Außerdem bemängelte Shetty, dass Unternehmen ihr freiwilliges Engagement – etwa auch ihre sozialen Aktivitäten im Rahmen von Corporate-Social-Responsibility-Programmen – als Freifahrtschein für Versäumnisse in anderen Bereichen missbrauchten. Shetty betonte, dass freiwillige unternehmerische Maßnahmen zwar hilfreich seien, sie könnten aber nicht gesetzliche Rahmenbedingung und Normen ersetzen. „Die Menschenrechte sind garantiert – aber sie müssen auch für alle Menschen gelten und sind keine Privilegien für Einzelne“, sagte Shetty. Anieke Walter

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