Amro-Barclays-Fusion : Zweitgrößte Bank Europas entsteht

Es ist eine Übernahme der Superlative: Mit ABN Amro und Barclays fusionieren zwei große Geldinstiute zur zweitgrößten Bank auf dem europäischen Kontinent. 67 Milliarden müssen die Briten aufbringen. Durch die Fusion fallen 12.800 Arbeitsplätze weg, 10.800 sollen ins Ausland abwandern.

Amsterdam - Die beiden Banken haben nach der spektakulären Großfusion weltweit 47 Millionen Kunden. Das größte grenzüberschreitende Zusammengehen zweier Geldinstitute in Europa steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Anteilseigner. Mit der Verbindung ist auf beiden Seiten ein nicht unerheblicher Verlust an Arbeitsplätzen verbunden.

Die Fakten: Die neue Bank wird ein Unternehmen nach britischem Recht, die Konzernzentrale soll jedoch in Amsterdam sein. Die britische Holdinggesellschaft wird den Namen Barclays tragen, die Marken wie ABN Amro sollen erhalten bleiben. Durch die Fusion sollen 12.800 Arbeitsplätze entfallen, außerdem werden 10.800 Jobs in Billiglohnländer ausgelagert. Damit sind etwa zehn Prozent der Arbeitsplätze in beiden Häusern betroffen. Barclays beschäftigt zur Zeit 123.000 Mitarbeiter, ABN Amro 94.000. ABN Amro verkauft gleichzeitig ihre US-Tochter LaSalle für 21 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro) an die Bank of America.

Anleger sollen Barclays-Aktien bekommen

Mit der Einigung auf Vorstandsebene hat sich Barclays gegen die weiteren Interessenten, die Royal Bank of Scotland, die spanische Bank Santander und den belgisch-niederländischen Bank- und Versicherungskonzern Fortis durchgesetzt. Analysten hatten erwartet, dass sie einen höheren Preis bezahlen würden als Barclays, dessen Angebot auf 36,25 Euro pro ABN-Amro-Aktie hinausläuft und dem Schlusskurs von Freitag entspricht. Barclays will die ABN-Amro-Anteilseigner mit eigenen Aktien bezahlen. Nach Bekanntwerden der Einigung stieg der Kurs von ABN Amro, der sich seit Wochen im Höhenflug befindet, weiter an.

ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink betonte, er sei fest davon überzeugt, dass die Anteilseigner das jetzt vorliegende Angebot gutheißen werden. Er sei sicher, in Barclays den Partner gefunden zu haben, mit dem man weiter bauen könne. Andere Anbieter hätten die Zerschlagung der Bank zum Ziel gehabt. Wer mehr bieten wolle als Barclays, könne das natürlich tun.

Weitere Übernahmen stehen an

Barclays-Vorstand John Varley, der den neuen Konzern führen wird, betonte, dass sich die beiden Banken hervorragend ergänzten. Er sagte weiteres Wachstum in Europa, aber auch in Asien und Nordamerika voraus: "Das ist erst der Anfang, nicht das Ende." Varley wollte sich jedoch nicht zu der Möglichkeit weiterer Übernahmen äußern. Hinsichtlich eventueller höherer Konkurrenzangebote für ABN Amro verwies er auf die hohe Barclays-Dividende, die die heutigen ABN- Amro-Anteilseigner schon für 2007 erwarten könnten.

ABN Amro stand bislang stark unter dem Druck des Hedge-Fonds TCI, der als Anteilseigner eine Aufteilung des Konzerns und den Verkauf der Teile verlangt hat. Von dieser Seite gab es zunächst keine Reaktion. (tso/dpa)

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