Wirtschaft : An den Börsen steigt die Stimmung wieder

Der US–Wirtschaftsberater Mankiw: Die US–Wirtschaft hat die Wende zum Besseren geschafft

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Düsseldorf/Berlin (tor/bac/pk/HB/os). An den Aktienmärkten in Europa und Nordamerika setzen sich wieder die Optimisten durch. Zwar werden nach der Euphorie – insbesondere an den deutschen Börsen zum Ende der vergangenen Woche – in den kommenden Tagen Verkäufe von Anlegern nicht ausgeschlossen, die die schon entstandenen Gewinne auf die sichere Seite bringen wollen. Trotzdem rechnen die meisten Experten damit, dass die Kurse in den kommenden Wochen weiter steigen.

Gestützt wird diese positive Einschätzung von den erwarteten guten Quartalszahlen der USUnternehmen, die in den nächsten Tagen vorgelegt werden. „Die Unternehmen werden für das dritte Quartal die höchsten Gewinnsteigerungen seit der Rezession ausweisen“, meint Chuck Hill, Analysechef des Datendienstes Thomson First Call. Bei diesem Unternehmen laufen die Ertragsschätzungen aller namhaften Investmenthäuser für die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen zusammen. Hill schätzt, dass die Firmen im US-Aktienindex S&P 500 (siehe Lexikon) ihre Erträge um fast 20 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2002 steigern. Und wenn die amerikanische Börse läuft, hängt sich Europa in aller Regel an.

Auch in Europa haben die Investmenthäuser zuletzt ihre Gewinnerwartungen angehoben. Analysten der Investmentbanken erwarten nach Angaben des französischen Finanzdatenanbieters JCF bei den Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) ein Gewinnplus von 63 Prozent in diesem Jahr. Im kommenden Jahr seien noch einmal 37 Prozent drin – vorausgesetzt, die Erwartungen an den Aufschwung erfüllen sich. „Das sollte sich positiv niederschlagen“, sagt Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank.

Einen optimistischen Konjunkturausblick gibt auch Gregory Mankiw, der neue Wirtschaftsberater von US-Präsident George W. Bush. Er geht davon aus, dass die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten die Wende bereits geschafft hat. „Wir erwarten im dritten Quartal ein robustes Wachstum. Ökonomen rechnen mit einem Plus von vier bis fünf Prozent“, sagte Mankiw im Interview mit dem Handelsblatt. Ein Wachstum von vier Prozent sei genug, um die Arbeitslosigkeit abzubauen. „Ende des Jahres wird auch der Arbeitsmarkt viel besser aussehen – und die Beschäftigung wird sich in 2004 weiter aufhellen“, sagte Mankiw.

Er verwies auf den Erfolg der Steuersenkungen für die Wirtschaftsbelebung in Amerika. „Wir haben festgestellt, dass ohne die Steuersenkungen heute anderthalb Millionen Menschen weniger einen Arbeitsplatz hätten. Das Bruttoinlandsprodukt wäre heute um rund zwei Prozent niedriger.“

Mankiw räumte allerdings ein, dass ihm das Haushaltsdefizit Sorgen mache. Aber für Bush stehe die Schaffung neue Arbeitsplätze an erster Stelle. Wenn sich die Wirtschaft erhole und die Beschäftigung wieder steige, werde auch das Defizit wieder die Priorität bekommen, die es verdiene. Die Regierung wolle das Budgetdefizit innerhalb der kommenden fünf Jahre um die Hälfte reduzieren. Keine Aussage machte Mankiw zum Kurs des Dollar. „Wir haben ein klare Arbeitsteilung: Zum Dollar nimmt nur der Finanzminister Stellung“.

Auch in Deutschland wachsen die Hoffnungen, dass die Wirtschaft zu Beginn des kommenden Jahres Fahrt aufnimmt – dafür spricht auch der Handelsblatt-Frühindikator, der die deutsche Konjunkturentwicklung mit einem Vorlauf von etwa drei Monaten beurteilt. Das Barometer ist im Oktober zum zweiten Mal in Folge gestiegen.

Die Chartisten schließlich, diejenigen Börsianer die das Geschehen rein technisch interpretieren, sehen den Dax in dieser Woche am Scheideweg: Aus ihrer Sicht wird es zu Wochenbeginn zwar zunächst eine Abwärtsbewegung geben. Unterschreitet der Dax dabei die Marke von 3202 Punkten, könnte der Index bis auf 3100 verlieren.

Dreht der Deutsche Aktienindex oberhalb von 3254 wieder nach oben ab, dann besteht eine erhebliche Chance, dass er in den kommenden Tagen das Freitagshoch von 3438 wieder erreicht. Überschreitet er diese Marke nachhaltig, könnte sich ein stabiler Aufwärtstrend Richtung 3600 und später 3900 entwickeln.

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