Wirtschaft : An den Tankstellen wird nichts verdient

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Von Bernd Hops

Wenn der Preis für Benzin steigt, steigt die Wut bei den Autofahrern. Auf Verständnis können die Ölkonzerne dann nicht hoffen. Zur Zeit ist der Rohstoff Erdöl vor allem deswegen so teuer, weil die Welt einen Krieg im Nahen Osten fürchtet. Ein Krieg gegen den Irak und seine Folgen könnten zu einer Verknappung der Ölversorgung führen – und damit den Rohstoff noch wertvoller machen. Davon profitieren die Ölkonzerne. Das gute vierte Quartal der britischamerikanischen BP zeigt das deutlich. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat ausgerechnet, dass die Ölproduzenten durch den Krisenaufschlag 700 Millionen Euro Mehreinnahmen hätten. Nur, dass die Gewinne nicht an denTankstellen gemacht werden, sondern auf den Ölfeldern. Sollten BP oder Shell nun die Gewinne, die sie mit dem Ölgeschäft machen, dafür nutzen, ihr Tankstellennetz zu subventionieren?

Vor allem aus Autofahrersicht ist es verlockend, das zu empfehlen. Aber so einfach ist die Rechnung im deutschen Tankstellengeschäft nicht: Dort wird kein Geld verdient, zieht man die Steuern ab, sind die Tankstellenpreise für Benzin nirgends in Westeuropa billiger als in Deutschland. Den Gewinn machen die Konzerne in Deutschland mit den Shops, nicht mit dem Benzin. Nicht umsonst ähneln viele Tankstellen inzwischen einem Supermarkt mit angeschlossenem Zapfhahn. Und nicht umsonst gibt es immer weniger Tankstellen in Deutschland – vor allem immer weniger freie. Der Protest der mittelständischen Tankstellen wäre gewiss – und berechtigt –, wenn die Großen jetzt anfangen würden, das Benzin, das sie in ihren eigenen Raffinerien herstellen, in ihren Tankstellen unter dem Weltmarktpreis anzubieten. Spätestens hier müssten auch die Wettbewerbshüter einschreiten – und zwar leider nicht zu Gunsten der deutschen Autofahrer.

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