Wirtschaft : An den US-Märkten ist die Zinswende bereits eingeleitet

HOLGER ALICH/THOMAS KNIPP (HB)

Die Furcht vor steigenden Zinsen drückt die Stimmung und die Anleihenkurse in den USA. Doch internationale Fondsmanager bleiben gelassen und machen ihre Fonds sturmfest. "Die Fed hat eigentlich keinen Grund, die Zinsen anzuheben", sagt Roger Schneider, Manager von internationalen Rentenfonds bei der Union Investment. Seiner Meinung nach hat der Markt einen Zinsschritt bereits vorweggenommen.

Darüber hinaus kann Schneider noch keine ernsthaften Inflationsanzeichen erkennen. "Der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise wurde kurzfristig durch höhere Energiepreise verursacht." Dies sei aber ein singuläres Ereignis, was kein Gegensteuern der amerikanischen Notenbank (Fed) erfordere. Sollte die Fed Ende des Monats aber doch wider Erwarten die Zinsschraube fester anziehen, will Schneider in die 30jährige Bundesanleihe einsteigen, da er in diesem Fall von steigenden Renditen ausgeht. "Zur Zeit haben wir die durchschnittliche Laufzeit unserer Papiere von zehn auf acht Jahre reduziert." Ralf Schreyer, Manager für internationale Rentenfonds bei der DWS, hält zur Zeit ebenfalls nichts von den langlaufenden Anleihen. "Wir haben den Anteil der 30jährigen Treasury auf Null reduziert." Grund: Gerade in diesen unsicheren Zeiten sei die richtungsweisende Anleihe sehr volatil. Diese Schwankungen will Schreyer seinen Kunden ersparen. Solange die US-Wirtschaft in diesem Maße wächst, bevorzugt der DWS-Manager US-Titel. Die derzeitigen Zinsspekulationen geben dem Dollar dazu weiter Auftrieb, was ein Investment in Dollar-Anleihen für einen in Euro denkenden Anleger derzeit noch interessanter mache. Sollte die Zinserhöhung dann Ende Juni nicht kommen - wovon auch Schreyer ausgeht - sieht er beim Dollar zwar starke Schwankungen, aber keinen weiteren Anstieg.

Auch nach Ansicht der amerikanischen Fondsmanager haben die Märkte die Zinswende längst eingeleitet: Die Kurse für US-Staatsanleihen mit dreißigjähriger Laufzeit befinden sich bereits seit Oktober 1998 auf dem Rückzug. Seit Anfang Dezember sinken die Notierungen quasi ohne Unterbrechung und liegen derzeit auf dem Niveau vom September 1996. Die Renditen rangieren knapp oberhalb der Marke von sechs Prozent. US-Fondsmanager und ihre Berater haben sich auf diese Realität mit einem erhöhten Investment am Geldmarkt oder in inflationsindexierte Bonds eingestellt. Beide Instrumente schützen sie vor Zinssteigerungen. Die Berater von Barclays weisen darauf hin, daß sich zum Beispiel inflationsindexierte Bonds bis Ende April um 1,72 Prozent besser entwickelt hätten als herkömmliche Staatsanleihen. Analyst Dan Bernstein von Bridgewater Associates urteilt, daß der Performance-Unterschied auf eine Inflationsrate von 1,7 Prozent hindeutet. In naher Zukunft rechnet er allerdings mit Inflationsraten von zwei bis 2,5 Prozent, was zu weiteren Kurssteigerungen bei inflationsindexierten Bonds führen würde. All dies, so meinen die Analysten von Salomon Smith Barney, werde im Sommer zu einer Leitzinserhöhung in den USA führen.

Manche Berater raten gemischten Fonds daher, dem Aktienmarkt den Rücken zu kehren und über Anleihen nachzudenken. Die Analysten von Warburg Dillon Read weisen darauf hin, daß die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen um 35 Prozent gestiegen seien. Das aktuelle Niveau sei eine interessante Investmentgelegenheit. Merrill Lynch sieht es genauso. Cheryl Rowan sagt: "Wir wissen nicht, wie weit die Zinsen noch steigen werden, aber die Rendite von 5,94 Prozent am ganz langen Ende ist sehr attraktiv."

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