Wirtschaft : „An der Grenze des Kriminellen“ Griechenland weist Austrittsgerüchte zurück

Berlin - In der Euro-Zone wird fieberhaft darüber diskutiert, wie Griechenland sein Finanzproblem in den Griff kriegen kann. Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou wies am Samstag nachdrücklich einen Bericht über einen möglichen Austritt des Landes aus der Euro-Zone zurück. „Solche Szenarien bewegen sich an der Grenze des Kriminellen“, schäumte er.

Ein überraschendes Treffen von Spitzenvertretern aus der Euro-Zone in Luxemburg hatte am Freitagabend für Unruhe an den Märkten gesorgt. Die Gruppe diskutierte mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou über den Weg seines Landes aus der Krise. Für Deutschland nahm Finanzminister Wolfgang Schäuble an dem Treffen teil. Deutsche Regierungskreise versuchten am Samstag, die Bedeutung des Treffens herunterzuspielen. „Das war kein Sonder- oder Krisentreffen“, sagte ein Regierungsvertreter. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte nach dem Treffen, es sei nicht um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone gegangen. Das wäre „eine dumme Idee“. „Spiegel Online“ hatte von solchen Überlegungen berichtet. Auch um eine Umschuldung sei es nicht gegangen, sagte Juncker. „Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert“, warnte er.

Über eine Restrukturierung der griechischen Schulden wird seit Monaten diskutiert. Am wahrscheinlichsten ist ein Szenario, bei dem die Gläubiger freiwillig auf einen Teil ihres Geldes verzichten – oder zumindest einer Verlängerung der Darlehen und einer Senkung der Zinszahlungen zustimmen. Der griechische Staat leidet unter den hohen Zinsen, die er für seinen Schuldenberg bezahlen muss. Im kommenden Jahr laufen die Hilfskredite von EU und Internationalem Währungsfonds aus. Bis dahin muss das Land so weit stabilisiert sein, dass es an den Märkten wieder kreditwürdig ist.

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, plädierte dafür, Griechenland mit einer freiwilligen Umschuldung und einer Senkung der Zinsen für die Hilfskredite bei seinen Reformbemühungen zu unterstützen. „Man sollte auch nicht lange damit warten“, sagte Heise dem Tagesspiegel am Sonntag. Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner warnte davor, eine Umschuldung auszuschließen. mirs/rtr

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