• „An der Grenze muss kontrolliert werden“ Bauernpräsident Sonnleitner über die Folgen der EU-Osterweiterung

Wirtschaft : „An der Grenze muss kontrolliert werden“ Bauernpräsident Sonnleitner über die Folgen der EU-Osterweiterung

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GERD SONNLEITNER

ist Präsident

des Deutschen

Bauernverbandes

Foto: ddp

Herr Sonnleitner, kommen nach der Osterweiterung noch mehr Lebensmittelskandale auf uns zu?

Wenn wir genügend kontrollieren, dann nicht. Denn wenn die neuen Mitglieder ab 1. Mai 2004 die volle Freizügigkeit für Nahrungsmittel bekommen, werden dort dieselben Qualitätsstandards gelten wie bei uns. Es dürfen nur Waren auf den EU-Markt, die nach EU-Standards produziert wurden. Gelangen aber trotzdem Lebensmittel in unsere Supermärkte, die den Standards nicht genügen, dann steigt die Gefahr für Lebensmittelskandale natürlich. Und wenn es die geben sollte, haben wir Bauern ein Problem. Denn dann heißt es wieder allgemein: Die Nahrungsmittel sind nicht sicher. Außerdem wären die niedrigeren Preise der billiger produzierten Waren eine unfaire Konkurrenz für unsere Bauern.

Glauben Sie, dass diese Kontrolle ab Mai gewährleistet sein wird?

Wir haben jedenfalls dem Bundesverbraucherministerium und den Länderbehörden immer wieder gesagt: Bitte stellt euch darauf ein, dass hier Probleme entstehen können, hier muss sehr eng geprüft werden. Denn sonst kommen Gefahren auf uns zu. An der Grenze und in den Geschäften muss kontrolliert werden, dass die Waren nur aus EU-zugelassenen Betrieben kommen.

Werden die Lebensmittelpreise sinken?

Zumindest in der Zeit direkt nach dem Beitritt kann das gut sein. Schon jetzt werden Waren im Osten gehortet, um sie dann in großen Mengen im Mai auf den EU-Markt zu werfen und sofort Euro zu kassieren – der Euro ist schließlich momentan hoch bewertet. Manche lagern schon seit längerem Zucker ein. Die EU-Behörden müssen wenigstens sicherstellen, dass die osteuropäischen Hersteller nicht noch Waren auf dem Weltmarkt dazukaufen.

Profitieren die deutschen Bauern nicht auch von den neuen Märkten?

Natürlich. Mittelfristig erwarten wir in Polen, Tschechien und Ungarn ein sehr starkes Wirtschaftswachstum. Und wenn Wohlstand und Kaufkraft dort wachsen, können wir unsere hochwertigen Nahrungsmittel absetzen.

Werden auch viele Betriebe in den Osten abwandern?

Wegen der scharfen Auflagen in Deutschland sind schon jetzt viele Betriebe in den Osten gegangen – und es werden noch mehr werden. Die Käfighaltung soll in Deutschland 2006 verboten werden. Schon jetzt sind Hühneranlagen nach Tschechien oder Polen transportiert worden. Es gibt auch viele Betriebe, die sich überlegen, ihre Schweinehaltung gen Osten zu verlegen.

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

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