Wirtschaft : An der Nasdaq wird gegoogelt

Internetsuchmaschine Google beendet Auktion seiner Aktien – Der Handel soll an diesem Mittwoch in New York beginnen

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New York – Das Fieber erinnert an die guten Zeiten, in denen die morgendliche Eröffnung der New Yorker Technologiebörse Nasdaq ein Test war. Nach einer Serie von Pannen soll die InternetSuchmaschine Google nun an die Börse gehen. Am Montag hatte das Unternehmen in Mountain View (Kalifornien) die US-Börsenaufsicht SEC gebeten, seine Registrierungserklärung in Kraft zu setzen. Dies sollte am Dienstagabend geschehen – bis Redaktionsschluss hatte die SEC aber noch keine Erklärung abgegeben. Googles Ziel war es, den Handel mit Aktien bereits am Mittwoch zu starten.

Mit Spannung wird der Preis erwartet, zu dem die Anteilsscheine an den Markt gehen. Google hatte im Vorfeld mit einer Marge zwischen 108 Dollar und 135 Dollar gerechnet. Der genaue Kurs wird seit Freitag über ein Auktionsverfahren ermittelt. Dazu mussten sich Investoren mit Wohnsitz in den USA zuvor registrieren lassen und ein Angebot abgeben, in dem sie den Preis und die Anzahl der Aktien angaben, die sie bereit sind zu kaufen. Bei herkömmlichen Börsengängen legen die begleitenden Investment-Banken und der Vorstand den Emissionskurs fest.

Doch wenig ist im Fall von Google normal. Die Firmenchefs Sergej Brin und Larry Page wählten das Auktionsverfahren, weil sie verhindern wollten, dass institutionelle Investoren die neuen Aktien unter sich aufteilen. Zunächst warf sie aber eine technische Panne zurück. Dann gab es juristische Schwierigkeiten, weil das Unternehmen zwischen September 2001 und Juni 2004 möglicherweise gegen das Aktienrecht verstieß, als es Anteilsscheine an Mitarbeiter und Berater ausgab, ohne dieses der Börsenaufsicht zu melden oder es im Börsenprospekt zu vermerken. Schließlich sorgte ein „Playboy“-Interview der Firmenchefs für Unruhe, das während der Schweigeperiode vor dem Börsengang erschien.

Doch der Fantasie, die mit einem Börsengang eines großen Hightech-Unternehmens verbunden ist, tat das keinen Abbruch. Angesichts steigender Ölpreise, drohender Terrorattacken und eines ungewissen Ausgangs der Präsidentenwahl, wartet der Markt auf positive Zeichen. Wenn alles nach Plan läuft, wird Google durch den Börsengang zwischen 2,77 und 3,47 Milliarden Dollar erzielen. Der Marktwert betrüge dann zusammen mit den Aktien der Gründer, Mitarbeiter und Altinvestoren bis zu 36,6 Milliarden Dollar – mehr als Ford oder die Allianz.

Ob die Anteilseigner mit ihren Aktien allerdings langfristig glücklich werden, wird auch davon abhängen, wie Google die Milliarden investiert. Im Börsenprospekt heißt es dazu ungewöhnlich offen: „Wir haben im Augenblick keine besonderen Pläne.“ Auch die bisherige Firmenstrategie gibt wenig Hinweise darauf, wie die zusätzlichen rund zwei Milliarden Dollar ausgegeben werden könnten. Mit rund 550 Millionen Dollar auf der Bank war Google schon bisher nicht knapp bei Kasse. Als Grund für den Börsengang hatten Brin und Page nur angegeben, sie wollten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, an ihren Optionen zu verdienen.

Die Analysten rechnen mit einer Diversifizierungsstrategie, der Start des E-Mail-Service Gmail gilt als erster Schritt. Interessant könnte auch der Markt für Such-Software sein, die Nutzern dabei hilft, Daten auf ihrem Computer leichter wiederzufinden. Daran arbeiten Microsoft, Yahoo und Apple allerdings auch. Andere vermuten, Google könne sich in Zukunft mehr um Inhalte und ihre Verbreitungskanäle kümmern. „Wirkliches Wachstum wäre, wenn sie sich um die Medien kümmerten“, sagte der unabhängige Internet-Analyst Matthew Berk dem „Wall Street Journal“, „Ich kann mir Szenarios vorstellen, in denen sie eine Medienfirma kaufen.“

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