Wirtschaft : Analysten feiern "Röhren" als Titel des Jahres

ANKE REZMER (HB)

Mannesmann-Aktien legten seit Jahresbeginn 76 Prozent zu / Telekommunikation zahlt sich ausVON ANKE REZMER (HB)Der Kursanstieg erregt Schwindel: Am Freitag schoß die Mannesmann-Aktie um 114 DM auf die Rekordmarke von 1602 DM.Seit Jahresanfang hat das Papier damit eine Wersteigerung von 76 Prozent erfahren.Der Dax schaffte gerade mal ein Drittel davon.Analysten feiern die auf dem Parkett immer noch "Röhren" genannte Aktie gemeinsam mit BMW als Titel des Jahres wegen der strategisch guten Ausrichtung des Industriekonzerns in der europäischen Telekommunikation.Die am Donnerstag vorgelegten Ergebnisse überraschten die Profis daher nicht mehr. Besonders angelsächsische Investmenthäuser wie JP Morgan und Morgan Stanley hätten ausdrückliche Kaufempfehlungen ausgesprochen, berichteten Analysten.Morgan Stanley soll zudem einen größeren Posten Mannesmann gekauft haben.Dazu äußern wollte sich das Haus jedoch nicht.Auch Lehman Brothers und Merrill Lynch empfehlen den Titel weiterhin zum Kauf."Mannesmann ist unsere Telekomaktie des Jahres", sagt Heike Fornefett aus dem Equity Sales von Merrill Lynch.Ausschlaggebend dafür seien die Telekom-Investitionen in Deutschland, Frankreich und Italien.Aber auch der Anlagenbau und die Automobilzulieferung könnten überraschend zu einer besseren Bewertung des Titels beitragen.Kurspotential sieht auch Hermann Reith von der BHF-Bank."Mannesmann ist am weitesten in der Telekom in Europa", erklärt er.Während Konkurrenten wie British Telecom in Deutschland kein Bein auf den Boden bekämen und in Frankreich und Italien nicht vertreten seien, mache der Düsseldorfer Konzern in allen drei Ländern Geschäft.Reith rechnet damit, daß der Kurs weiter stärker als der Markt steigen wird, und rät zum Kauf.Gemessen am Gewinn je Aktie sei der Titel zwar zu teuer.Aber er wertet dies als Eintrittskarte für die Festnetztelefonie, in die Mannesmann viel investiert habe. Anderen geht die Telekomeuphorie zu weit: WestLB-Analyst Ralph Doerper moniert, daß der Konzern nur noch als Telekom-Unternehmen betrachtet werde.Außerdem sei das Ergebnis im Engineering unbefriedigend, wenn ein großer Teil außerordentlichen Aufwands aus Restrukturierung den 207 Mill.DM zugeordnet werde.Er rät, die Aktie zu halten.Neutral gewichtet Petra Heist von der Bayerischen Vereinsbank die Aktie."Ein gutes Unternehmen", aber auf dem Kursniveau sei nun Neugeschäft bei Festnetzen abzuwarten."Telekommunikation ist schließlich keine Lizenz zum Gelddrucken."

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