Wirtschaft : Analysten sagen den Papieren eine glänzende Zukunft voraus

Uwe K. Frohns (Dm)

Zurückhaltend gab sich Jorma Ollila, Vorstandsvorsitzender der finnischen Nokia Corp., als er im Sommer die erwartet hervorragenden Halbjahreszahlen bekanntgab: "Die Chancen stehen gut, in der Profitabilität unser Niveau beibehalten zu können." Beibehalten und gut - so etwas kann erfolgsverwöhnte Analysten und Aktionäre leicht enttäuschen. Doch Nokia versteht es nicht nur, technisch führende Mobilfunk-Telefone zu bauen. Der Chef weiß auch mit den Erwartungen der Börse umzugehen. Im Vorfeld fein dosieren, um später die Prognosen umso sicherer erfüllen zu können - das gehört zum Repertoire eines am Shareholder Value orientierten Vorstands.

Grund genug, auch weiter auf die Aktie des Marktführers Nokia zu setzen, die zur Jahresmitte mehr als 20 Prozent verlor. "Auf diesem Niveau ist die Aktie sehr interessant", rät Stefan Steib, Analyst bei der WGZ-Bank in Düsseldorf, zum Kauf. Nicht nur das gegenüber den Höchstnotierungen des Frühsommers günstigere Kursniveau macht es lukrativ, auf die Handy-Branche zu setzen. Kurz vor der Jahrtausend-Wende steht sie vor einer neuen Chance: Aus dem Mobiltelefon soll ein "media phone" werden, mit dem sich nicht nur Sprache, sondern auch Daten, Texte und Bilder übertragen lassen. Das Internet in der Jackentasche würde zum nächsten Wachstumsschub für die Handy-Produzenten. Bislang ist der Fachbegriff für diesen Entwicklungsschritt, das Wireless Application Protocol (WAP), nur Insidern geläufig. Mit der Konsumelektronik-Messe, der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin Ende August, auf der die ersten WAP-Handys vorgestellt wurden, dürfte der Trend zum mobilen Internet schnell Breitenwirkung gewinnen.

Für Aktienanleger bleibt Nokia erste Wahl. Die Finnen hatten auf der IFA mit ihrem neuen "7110 media phone" nicht nur in der WAP-Technologie wieder mal die Nase vorn. Auch so genannte weiche Faktoren sprechen dafür, der Nokia-Aktie größtes Gewicht im Aktiendepot einzuräumen. Marktforscher haben in ihrer Kids-Verbraucheranalyse die Ansprüche der 14- bis 17-jährigen untersucht. Das Ergebnis: Marken sind äußerst wichtig - und der Name Nokia ist ganz vorn mit dabei. Das deckt sich mit anderen Untersuchungen, die den Namen Nokia zu den 15 weltweit wertvollsten Markennamen zählen.

Da können andere börsennotierte Anbieter des Handy-Marktes nicht mithalten. Ist Nokia der Daimler unter den Herstellern, so bringt es Hauptkonkurrent Ericsson allenfalls auf den Imagewert von Volvo - eckig, klotzig, zuverlässig. Der schwedische Telekom-Hersteller, bei der Produktion von Mobilfunkgeräten weltweit die Nummer Drei, frustrierte die Anleger, indem er für das vergangene Geschäftsjahr enttäuschende Zahlen meldete. In der nachfolgenden Managementkrise musste Ericsson-Chef Sven-Christer Nilsson nach nur 15 Monaten im Amt seinen Hut nehmen. Der neue Ericsson-Chef Kurt Hellström will durchgreifen, den Gewinn deutlich verbessern und mit neuen Handy-Modellen aufwarten. In den Zahlen wird sich der Sanierungskurs im laufenden Jahr aber noch nicht niederschlagen. Der Anleger braucht hier einen längeren Atem als beim finnischen Erzrivalen: Er muss darauf setzen, dass Ericsson ab dem Jahr 2000 für eine positive Gewinnüberraschung sorgt. In diesem Fall wären die Kurs-Chancen sogar größer als die von Nokia.

Dritter Mitspieler auf dem Weltmarkt ist US-Anbieter Motorola, lange Jahre die Nummer Eins bei Handys. Diese Platzverschiebung hat mit dem Erfolg Nokias zu tun, aber auch mit der Neuausrichtung von Motorola. Software statt Hardware, heißt heute das Motto der Amerikaner. Mitte der neunziger Jahre hatte die Gesellschaft den Wandel von analogen Funktelefonen zu digitalen Geräten verschlafen - starke Kursverluste der Motorola-Aktie waren die Folgen. Inzwischen ist die Gesellschaft aber wieder fest etabliert. Die Zusammenarbeit mit prominenten Softwareunternehmen wie Cisco Systems und Sun Microsystems gilt als vielversprechend und ausbaufähig. Deshalb ist für Motorola die Marktentwicklung bei intelligenten Mikrochips noch wichtiger als Erfolge beim Verkauf von Handys. Weitere Hersteller auf dem Handy-Markt sind Siemens und Bosch in Deutschland, Philips in den Niederlanden, Alcatel in Frankreich, dazu verschiedene japanische Anbieter - von Sony bis Matsushita. Für den Anleger aber sind sie gegenüber den drei Marktführern aus Finnland, Schweden und den USA zu vernachlässigen. Die Umsatzanteile der Handy-Aktivitäten sind wesentlich geringer. Die Japaner wollen zwar aufholen, was in den vergangenen Jahren verpasst wurde; der Erfolg dürfte aber auch in Zukunft kaum durchschlagend sein. Auch bei den Europäern Siemens und Alcatel sind die Umsatz- und Gewinnanteile des Handy-Geschäfts noch niedrig.

Gewiefte Anleger sollten sich auch die Zulieferer ansehen, allen voran die seit dem Frühjahr vergangenen Jahres im Smax-Index (Index für kleine Nebenwerte aus dem Amtlichen Handel) vertretene Vivanco AG. Sie gehört zu den führenden europäischen Herstellern von Handy-Zubehör. Gemessen an ihren Wachstumschancen ist die Vivanco-Aktie billig und kaufenswert. Steigende Umsätze und Gewinne verspricht nach Meinung von Analysten auch die österreichische AT & S. Das Unternehmen ist seit Juli am Neuen Markt notiert und liefert die Leiterplatten-Technologie, ohne die kein Handy funktioniert.

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